Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 9-12
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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— 159 — 1920 rund 2800000 Seelen u.zw. 1750000 in der Ukraine, 450000 in Weißrußland und 600000 hauptsächlich in Sowjetrußland und zu geringen Teilen in der transkaukasischen Republik. Das Gros der Juden wohnt immer noch in den Gouvernements des ehemaligen sogenannten Ansiedlungsrayons. Die jüdische Binnenwanderung in der Union der Sowjetrepubliken hat trotz der Aufhebung des Freizügigkeitsverbots keine erheblichen Dimensionen angenommen. Von den 2800000 Personen sind etwa 800000 Angestellte und Arbeiter, die Familienangehörigen mit eingerechnet. Etwa 1000000 mit Einschluß der Familienmitglieder sind Handwerker oder Heimarbeiter. Nahezu 1000000 sind Kleinhändler, die infolge der fast gänzlichen Ausschaltung des Privathandels in der Sowjetunion von ihrem Berufe nicht mehr leben können, sie müssen verhungern oder sich umstellen. Das Problem war vor dem Jahre 1925 besonders ernst, als der Handwerkerstand sich infolge unerträglichen Steuerdrucks und der gegen ihn gerichteten Gesetzgebung in einer verzweifelten Lage befand. Wäre jn der ökonomischen Politik des Sowjetstaates nicht seit 1925 eine Wandlung eingetreten — durch Herabsetzung der Steuern und Erleichterungen für die Heimarbeiter — so würde es jetzt 2000000 jüdische Arbeitslose geben. Durch die Auswanderung ist die Not der jüdischen Bevölkerung im Osten — selbst in früheren Jahren, als es eine freie Einwanderung nach den überseeischen Ländern gab — nicht behoben worden. Seit den 80er Jahren sind schätzungsweise 28/4 Millionen Juden aus Osteuropa, vorwiegend aus Rußland, nach überseeischen Ländern ausgewandert. Die Zahl der Juden im Osten hat sich dadurch nicht verringert. Der natürliche Zuwachs hat die Auswanderung nicht nur ausgeglichen, sondern sogar tiberstiegen. 1897 wurden in Rußland 5215000 Juden gezählt. 1925 lebten in denselben territorialen Grenzen 5323000 Juden. Heute besteht die Möglichkeit einer größeren Auswanderung überhaupt nicht mehr. Kein Einwanderungsland will oder kann hunderttausende von Juden in absehbarer Zeit aufnehmen. Es muß eine Lösung im Heimatlande, an Ort und Stelle, gesucht werden. Die Binnenkolonisation stellt einen Versuch in dieser Richtung dar. Am 29. August 1924 wurde von der Regierung in Moskau, wie schon erwähnt, ein „Komitee der Landansiedlung der Juden", das Ko ms et, eingesetzt, das in seinen ersten Sitzungen das Ziel aufstellte, hunderttausend jüdische Familien auf dem Lande anzusiedeln. Im Jahre 1925 wurde die „Gesellschaft für die Landansiedlung der Juden", Oset, ebenfalls in Moskau, gegründet, die Ende 1926 bereits 60000Mitglieder zählte, Kommunisten und Nichtkommunisten, letztere in über« wiegender Zahl, Vertreter aller Berufsschichten, Juden und Nichtjuden. Bereits im Oktober 1924 hatte das Komset ein Programm für die Landansiedlung der Juden aufgestellt. Danach sollen die Juden, die sich dem Ackerbau widmen wollen, in den Grenzen der Gouvernements, in denen sie wohnen, auf den freien Ländereien des staatlichen Agrarfonds angesiedelt werden, ferner nach anderen Gouvernements und Republiken der U.S.S.R. übersiedelt und auf möglichst zusammenhängenden Landflächen kolonisiert werden, auf die seitens der örtlichen Bauernbevölkerung keine Ansprüche erhoben werden. In den Jahren 1925 und 1926 wurden rund 10000 jüdische Familien 50000 Personen angesiedelt, im Jahre 1927 nahezu 5 000. Die Zahl der Siedlungswilligen war aber weit größer. Sie betrug im Jahre