Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 9-12
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2650397-2650411-2650416--5610-2651012- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 100 - 1925 — 23000 Familien und im Jahre 1926 — 30000 Familien. Das Land wird von der Regierung unentgeltlich zur Verfügung gestellt. 1925 und 1926 wurden insgesamt 203000 Hektar Land zugewiesen. Die Regierung gewährt eine Ermäßigung der Transportkosten und beliefert die Kolonisten mit Sämereien, landwirtschaftlichen Maschinen und Baumaterial, größtenteils auf Kredit. Während in der ersten Zeit der planmäßigen Siedlungskampagne Leute nach den Kolonien gingen, die über einige Mittel verfügten, sind die Siedler des Jahres 1926 und ganz besonders des Jahres 1927 in der Mehrzahl mittellos. Das Kornset hat in seiner letzten Instruktion vom Januar 1927 angeordnet, daß in erster Reihe unter den Siedlungswilligen die erwerbslosen Kleinhändler und die „Luftmenschen" zu berücksichtigen sind. Die Kolonisten werden nach dem Barvermögen, das sie mitbringen, in 6 Kategorien geteilt. Die erste Kategorie umfaßt Personen, die 10 Rubel, d. h. tatsächlich kein Kapital aufbringen, um eine Wirtschaft aufzubauen. Ihnen werden die hierfür erforderlichen Kredite in vollem Ausmaße bewilligt. Zur zweiten Kategorie gehören die Siedler, die über 150 Rubel verfügen. Von ihnen wird verlangt, daß sie ein Arbeitstier (ein Pferd) beisteuern. Zur dritten Kategorie zählen die Siedler, die 300 Rubel besitzen. Die müssen außer einem Arbeitstier ein halbes Fuhrwerk stellen, bezw. 2 Siedlerfamilien ein Fuhrwerk. Von den Siedlern der vierten Kategorie mit einem Barvermögen von 500 Rubel wird überdies gefordert, daß sie ihr Haus aus eigenen Miltein bauen; nur das Bauholz und die Fenster- und Türrahmen erhalten sie im Kreditwege. Die Siedler der fünften Kategorie mit einem Vermögen von 600 Rubel müssen außerdem eine Kuh mitbringen, die ihnen überlassenen Sämereien bezahlen und die Kosten für die Durchbaggerung ihres Bodens ersetzen. Endlich gibt es eine sechste Kategorie von Siedlern, die ihre Wirtschaft ganz aus eigenen Mitteln aufbauen; ihnen werden lediglich die Kosten für die Bewässerung ihres Grundstücks vorgeschossen, die sie zu ersetzen haben. Die Kolonisten genießen drei Jahre Steuerfreiheit und sind während des gleichen Zeitraums von der Militärdienstpflicht befreit. Der neuen russisch-jüdischen Kolonisation leiht an erster Stelle seine Mithilfe das American Joint Distribution Committee, durch den eigens hierfür geschaffenen Agro-Joint; ihm gesellte sich 1926 die Jewish Colonization Association zu, die ihre Tätigkeit auf diesem Gebiete gegenwärtig noch ganz erheblich ausgedehnt hat. Ferner betätigen sich in kleinerem Umfange die obenerwähnte russische Gesellschaft Oset, die Gesellschaft Ort, die amerikanisch-jüdische proletarische Organisation „Ikor" u. a. In den Jahren 1925—1926 sind rund Mark 18 000 000 für die Kolonisation verausgabt worden. Der Staat bewilligte in bar und in Bankkrediten 4 Millionen Mark, der Joint 8 Millionen, die Gesellschaft Oset in bar und in Bankkrediten etwa IV2 Millionen Mark, die Ica und andere Gesellschaften V4 Million Mark. Die Kolonisten steuerten aus eigenen Mittelnzirka 4 Millionen Mark bei. Der Joint hatte schon im Herbst 1922 eine ökonomische Wiederaufbauarbeit unter den Juden in Rußland begonnen. Sein Programm umfaßte die Förderung der landwirtsehaftlichen Beschäftigung der Juden, die Einrichtung von Leihkassen für Handwerker und die Eröffnung professioneller Schulen. Im Jahre 1924 wurde der Agro-Joint ins Leben gerufen und mit der besonderen Aufgabe betraut, mehrere hundert jüdische Fa-