Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 9-12
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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- 158 - jede Bauernwirtschaft in der Regel durch ein Mitglied in der Gesellschaft vertreten ist, kann man sagen, daß die landwirtschaftlichen Genossenschaften faktisch sämtliche Familien der Kolonien zusammenfassen. Die Gesamtbilanz der Genossenschaften erreichte am 1. 10. 1926 beinahe lVs Millionen Rubel. Ihr eigenes Kapital ist gering; es beträgt nur 155 806 Rubel Die Genossenschaften sind hauptsächlich auf Kredite angewiesen. Es wurden Kredite für Sämereien — in natura und bar — gegeben. (1 Pud 16,38 Kilo) 1923 für 45 170 Pud 1924 für 49 000 Pud 1925 (Frühjahr) 22 260 Pud 1926 für 5 040 Pud 121470 Pud Pferde (in natura und bar) von 1923 bis zur ersten Hälfte des Jahres 1927: 3027 Kühe im gleichen Zeitraum 1065 Zuchthengste im gleichen Zeitraum 53 Zuchtstiere im gleichen Zeitraum 70 Ferner wurden in natura zur Verfügung gegestellt oder Kredite bewilligt für landwirtschaftliche Geräte, wie Pflüge, Eggen, Sämaschinen, Dreschmaschinen, Wagen, Separatoren, Pulverisatoren usw. Die Ica ist bestrebt, zur Entwicklung intensiver Kulturen beizutragen. So hat sie zur Förderung des Weinbaues im Jahre 1923 — 53 525 Weinreben für die Kolonisten hergegeben, 1924 -108008,1925 — 172100, 1926 — 186 200, 1927 — 173 000. 2. Die spontane Abwanderung aufs Land. Die bolschewistische Oktober-Revolution im Jahre 1917 hat, wie der Präsident der Sowjet-Union öffentlich erklärte, das jüdische Volk einerseits zwar befreit, andererseits aber vernichtet. „In ihrer ersten Zeit, in der Periode des verschärften Bürgerkrieges, hat die Revolution, um mit den Worten Kalinins zu sprechen, die Grundlage nicht nur des Wohlstandes, sondern auch der Existenz der jüdischen Bevölkerung in Rußland zerstört — das Handwerk. Der Schlag traf die ärmsten Schichten der jüdischen Stadtbevölkerung." Der Selbsterhaltungstrieb veranlaßte diese, aus den Städten zu flüchten, man griff zum Gemüsebau, zum Feldanbau; man wollte im verzweifelten Lebenskampf nichts unerprobt lassen. So sind in jenen Jahren eine Anzahl von Kolonien und Siedlungen in Weißrußland, bei Odessa und in der Krim entstanden. Dort waren es namentlich die Chaluzim, die diese Kolonien gründeten. Genannt seien Awoda, Ikor, Telchaj, Mischmar. Wie schon erwähnt, hat die Ica sich der Familien angenommen, die sich auf freien Parzellen in den alten Kolonien auf Grund von Vereinbarungen mit den Kolonisten niederließen. Ferner hat das American Jewish Joint Distribution Committee (Joint) solchen Familien seine Unterstützung bereits Anfang der zwanziger Jahre gewährt. Nach den Angaben des Komset betrug die Zahl der Familien, die im Wege der spontanen Kolonisation sich auf dem Lande niedergelassen haben: 1918 — 62, 1919 — 217, 1920 — 90, 1921 — 38, 1922 — 22, 1923 — 494, 1924 — 872 (entnommen dem Aufsatz von W. M. Haffkine „Une mission en Russie" Paix et Droit, September 1927). Unberücksichtigt bleibt in dieser Aufstellung die Zahl der Juden, die im Umkreis der Städte sich dem Gartenbau und der Feldarbeit zuwandten. 3. Die planmäßige Ansiedlung. Die jüdische Bevölkerung der Union der Sowjetrepubliken beträgt nach der Zählung der städtischen Bevölkerung von 1923 und nach Angaben über die Landbevölkerung von