Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 9-12
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Minsk 3× ep/1000754
- Odesa 1× ep/1000834
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- 149 — Unter den oben angeführten Städten nehmen die Städte des Odessa-Gebiets eine besondere Stelle ein. Die Stadt Odessa — vor dem Kriege eine blühende jüdische Gemeinde, mit einer enormen Anziehungskraft für das gesamte russisch-ukrainische Judentum — hat an 60 000 jüdischer Einwohner verloren. Dieser Rückgang steht mit den schweren Epidemien und der Hungersnot im Jahre 1923 in Zusammenhang. In Weißrußland sehen wir dasselbe Bild, wie in der Ukraine. Die Angaben über Weißrußland gewinnen für uns besonderes Interesse, da wir hier nicht nur Vergleiche mit 1897 und 1910 anstellen können, sondern auch mit Zählungsergebnissen von 1917. In den fünf Städten des eigentlichen Weißrußlands sehen wir folgendes: Tabelle V. Die vveißrußländischen jüdischen Gemeinden 1897, 1917 und 1923. 1917*) 1923**) Stadt 1897 i Zunahme . . ' von 1897 absolut Abnahme von 1917 absolut bis 1917 bis 1923 in »loa in °/oq Minsk . . . 47562 67599 42,1 48312 28,5 Bobruisk . 20760 30955 49,1 19619 36,6 Slutzk . . . 10264 9528 — 7,2 8277 13.1 Borisow . . 7722 11841 53.3 7212 39,1 Mosir . . . 5631 8654 53,7 5655 34,7 Zusammen 91939 128577 39,9 89075 30,7 *) Die absolute Zahlen entnehmen wir den .Mitteilungen der Jüdischen Abteilung des Volkskommissariats für Nationalitäten-Angelegenheiten" (russisch). Nr. 4 September 1921, Moskau. **) Veröffentlichung der Zentralen Statistischen Verwaltung der Weißrußländischen Sowjetrepublik. — Minsk 1926. Diese fünf Städte hatten für den Zeitabschnitt 1897—1917 ihre jüdische Bevölkerung um 36638 39,9^ vergrößert, haben aber von 1917 bis 1923 zirka 40000 jüdische Einwohner verloren, so daß jetzt die jüdische I Bevölkerung dieser Städte um 3,1^ geringer I ist als im Jahre 1897! | Aehnlich steht es mit den Städten des neu j hinzugekommenen weißrußländischen Ge-! bietes Gomel, Witebsk, Polotzk, Rogatschow, | Mohilew und Orscha. Hier haben wir folgende! Veränderungen: | Tabelle VI. Die weißrußländischen jüdischen Gemeinden 1897, 1910 und 1923. 1910 *) 1923**) Stadt 1897 absolut Zunahme von 1897 absolut Abnahme von 1910 bis 1910 bis 1923 in «/ou in °/M Witebsk . . 34440 43616 26,6 39714 8,9 Gomel . . . 20385 47505 133.0 37740 20,6 Mohilew 21547 27474 27,5 16748 39,0 Polotzk . . 12481 19252 54,3 7463 61,2 Orscha. . . 7383 9842 33,3 6896 29,9 Rogatschow . 5047 13l>98| 159,5 6350 51,5 Zusammen 101283 160787 58,7 114911 28,5 *) Die absoluten Zahlen nach der Veröffentlichung der Jüdischen Statistischen Gesellschaft: .Die jüd. Bevölkerung Rußlands nach der Volkszählung 1897 und den neuesten Angaben." Petrograd 1917 (russisch). **) Veröffentlichungen der Zentralen Statistischen Verwaltung der Weißrußländischen Sowjetrepublik. — Minsk 1926. Alle sechs Städte waren bis 1910 in steter Zunahme begriffen. In diesem Jahre beträgt die Zahl der Juden beinahe um 60 v. H. mehr als 1897. Die Bilanz der Revolutionsjahre schließt auch hier mit einen gewaltigen Verlust. Im allgemeinen ist die jüdische Bevölkerung der weißrussischen Städte im Jahre 1923 um 100—125 000 Seelen geringer als im Jahre 1917, am Vorabend der Revolution. Der fast ausnahmslose Rückgang der Bevölkeruug in den Städten der Ukraine und Weißrußlands ist demnach kein Ergebnis der Rückwanderung in die Kleinstadt, sondern das Resultat der unerträglichen wirtschaftlichen Lage der jüdischen Bevölkerung auch