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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1927-01-01 · Heft 9-12 · p. Seite 148

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1927) (Neue Folge)
Issue
Heft 9-12
Date
1927-01-01
Page
Seite 148 (sequence 17)
Language
German
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- 148 — in den Jahren der Pogrome und des Bürgerkrieges nach der großen Stadt, um sich vor physischer Ausrottung zu retten, während die nichtjüdische Bevölkerung von der Stadt nach dem Dorfe strömte, wo die Ernährungsmöglichkeiten besser waren und der kommunistische Wirtschaftsterror weniger stark wütete. Die nichtjüdische Bevölkerung der ukrainischen Städte, die noch nicht allzu lange in der Stadt ansässig ist, hatte noch die persönlichen Beziehungen zum Dorf aufrechterhalten und wandte sich nach ihren Heimatsorten, um dort die schwere Zeit zu verleben. In den 8 ukrainischen Städten, wo die jüdische Bevölkerung besonders stark gewachsen war, sehen wir folgende Entwicklung des nichtjüdischen Bevölkerungsteiles: Abnahme von 1910 bis 1920 (in Perzenten) Odessa........ —31,6 Kiew......... —34,5 Jekaterinoslaw..... —35,0 Nikolajew....... — 1,2 Poltawa....... +23,9 Krementschug ... . —46,7 Tschernigow...... +11,1 Bachmut....... —19,6 Im Jahre 1920 haben eine verringerte jüdische Bevölkerung nur jene Städte aufzuweisen, welche von Pogromen gelitten haben oder ihre günstige ökonomische Lage eingebüßt hatten. Unter diesen Städten befindet sich eine Reihe älterer jüdischer Gemeinden, wie z. B. Berditschew (41617 Juden im Jahre 1897, 55 876 im Jahre 1910 und nur 29778 Juden im Jahre 1920) und Uman, eine Stadt, die im Jahre 1910 eine jüdische Bevölkerung von 28 267, im Jahre 1920 aber nur von 25 252 Seelen zählte. Wie wir in der Einführung betont hatten, schließt mit dem Jahre 1920 ein besonderes Kapitel im Leben der Juden in Sowjet- Rußland ab. Dieses Jahr bringt das Ende der Pogromwelle, des blutigen Bürgerkrieges. Die Erscheinungen in der Bewegung der jüdischen Bevölkerung sind bis Ende 1920 das Ergebnis der Pogrome und des Bürgerkrieges. Die Jahre 1921—1923 sind eine Periode ausschließlicher Sowjetherrschaft. Deshalb ist ein Vergleich früherer Zählungsergebnisse mit den Daten der Zählung 1923 besonders interessant und belehrend. In dieser Periode hat, wie wir gesehen haben, die jüdische ländliche Bevölkerung sich verringert, das Städtchen ist nicht wiederhergestellt worden und sein Verfall machte weitere Fortschritte. Für die Stadt allgemein und für die jüdische städtische Bevölkerung insbesondere ist der Zeitabschnitt 1920—23 ein ungeheuer schwerer gewesen. Statt des früheren Anwachsens kam ein Rückgang der jüdischen Bevölkerung. Zur Bestätigung des eben gesagten bringen wir eine vergleichsweise Aufstellung der größten jüdischen städtischen Siedlungen in der Ukraine für die Jahre 1897, 1910, 1920 und 1923. Eine Ausnahme bilden die zwei Städte Kiew und Charkow. Hier wuchs die jüdische Bevölkerung auch nach dem Jahre 1920. Das Tempo des Wachstums aber ist jetzt viel schwächer als in den Jahren 1917—20. Kiew hat eine intensive Entwicklung durchgemacht und ist, von einer kleinen Gemeinde, in wenigen Jahren zur zweitgrößten jüdischen Gemeinschaft in der Ukraine emporgestiegen. Eine Ausnahme bilden auch drei Städte des Gouvernement Kiew und eine Stadt des Odessa-Gebiets, wohin sich die pogromierte jüdische Bevölkerung wandte. Ein Wachstum weisen ferner drei Städte der Gouvernement Tschernigow auf. In dieser Gegend wüteten noch in den Jahren 1922—1923 terroristische Banden, wodurch die jüdische Bevölkerung der kleinen Städte nach der größeren getrieben wurde.

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