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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1927-01-01 · Heft 9-12 · p. Seite 143

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1927) (Neue Folge)
Issue
Heft 9-12
Date
1927-01-01
Page
Seite 143 (sequence 12)
Language
German
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143 - ganzen Lande der NÖP (Neue ökonomische Politik) herrscht, während gegen die jüdische Bevölkerung in der Stadt und im Städtchen ein systematischer wirtschaftlicher Kampf geführt wird, der ihr mit vollständiger wirtschaftlicher Vernichtung droht; zu einer Zeit, in welcher fast alle Erwerbsquellen der jüdischen Bevölkerung vorenthalten werden. Dazu gesellte sich noch eine gewaltige steuerliche Belastung der Juden, die jede Existenzmöglichkeit zunichte machte und die jüdische Bevölkerung schier verzweifeln ließ. Wir lassen die nebensächlichen Fragen und die Einzelheiten der genannten Zählungen beiseite. Auch wollen wir uns nicht mit dem Aufklären ihrer Fehler und Mängel befassen. Es liegt uns in diesem Aufsatz nur daran, die Hauptmomente und die wichtigsten Züge der Bevölkerungsbewegung bei den Juden des heutigen Rußlands in den letzten zehn Jahren festzuhalten. Dieser Versuch erscheint besonders verlockend, da jetzt das 10jährige Jubiläum der Räteregierung gefeiert wird, und alle Nationalitäten, die Rußland bevölkern, ihre Summenbilanzen ziehen, um zu zeigen, was die Oktober-Revolution 1918 ihnen im Verlaufe von 10 Jahren gebracht hat. Die Gewinn- und Verlustliste der jüdischen Bevölkerung in Sowjet-Rußland für das letzte Dezennium ist vielfarbig und reichhaltig und wird allein durch Bevölkerungsfragen nicht erschöpft, aber diese Fragen gehören doch sicher nicht an die letzte Stelle. Im folgenden untersuchen wir die Bevölkerungsbewegung bei den Juden Sowjet- Rußlands in den einzelnen Wohnortstypen: 1. in den Dörfern; 2. in den Kleinstädten und 3. in den Großstädten. Mittels einer solchen gesonderten Analyse gewinnen wir ein besonders klares und unverfälschtes Bild. I. Die jüdischen ländlichen Siedlungen. Die Feststellung der Verteilung der jüdischen Bevölkerung auf die einzelnen Wohnortstypen ist nur für die Ukraine und Zentralrußland möglich. Wie gesagt, Weißrußland war zur Zeit der Volkszählung 1920 vom polnischen Militär besetzt. Das vormals vorwiegend kleinstädtische und dörfische ukrainische Judentum hat sich während der letzten Jahre grundsätzlich verändert und ist jetzt in den Städten zum überwiegenden Teil in den bedeutendsten Handels- und Industriezentren des Landes konzentriert. Von je 100 Juden in der Ukraine bewohnten: *) 1897 1920 das flache Land 20,1 9,0 die Städtchen 36,0 12,1 die Städte 43,9 78,9 zusammen 100,0 100,0 Im Laufe von 23 Jahren hat sich der Prozentsatz dörfischer Juden auf weniger als die Hälfte, der Prozentsatz kleinstädtischer Juden auf ein Drittel verringert; dagegen ist der Anteil des städtischen Elementes auf das Doppelte gestiegen und umfaßt jetzt zirka 80 v. H. des gesamten ukrainischen Judentums. Das zurückgebliebene ukrainische Judentum ist somit in ungeheuer schnellem Tempo in eine Reihe mit dem bourgeoisen Westjudentum, mit .seinem städtischen — hauptsächlich großstädtischen — Siedlungscharakter gerückt. Folgende Erscheinungen haben zu diesem Ergebnis geführt: die zaristische Politik der Verdrängung der Juden aus dem Dorfe; der allmähliche Uebergang der jüdischen Massen zur industriellen Arbeit; der Krieg, der in der *) Diese sowie weitere Angaben über Ukraine in den Jahren 1920,1910 und 1897 sind unserer größeren Arbeit .Die Juden in der Ukraine" — Blätter für Demographie, Statistik und Wirtschaftskunde der Juden — (jiddisch) Nr. 3 und 4, Berlin 1923, entnommen.

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