Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 9-12
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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140 — bei zwei verschiedenen Bevölkerungsmassen bezüglich der engeren Gliederung dieses Alters der Fall sein könnte. So bedarf es denn noch immer weiterer Veredelung der Berechnungsmethode, die ihre Vollendung in der Berechnung von Fruchtbarkeitstafeln erreicht. Eine solche wurde, soweit mir bekannt, bisher nur von Boeckh in Berlin ausgeführt. Für die jüdische Bevölkerung Berlins aber würde sie wegen ihrer soviel geringeren Größenordnung doch wohl kaum zu praktisch brauchbaren Ergebnissen führen. Solche aber dürften vielleicht von einem Veredelungsverfahren zu erwarten sein, das mir selbst vorschwebt, und das ich anzuwenden versuchen will, sobald die erforderlichen Grundlagen, für deren Beschaffung die nötigen Schritte bereits getan sind, vorliegen werden. Dieselben, ja auch größere Bedenken, wie gegenüber der allgemeinen Geburtenziffer, liegen bei der allgemeinen Sterbeziffer vor. Berechnet man nach dem zuerst erwähnten summarischen Verfahren die allgemeine Geburtenziffer der Berliner Juden für die frühere Zeit, für die allerdings aus technischen Gründen nur Alt-Berlin in Frage kommen kann, so daß selbst die zeitliche Vergleichung nicht vollkommen zuverlässig erscheint, so erhält man für den Durchschnitt der beiden Jahre 1910 und 1911 die Ziffer von 14,6 °/o0 gegen die 12,0 % für 1924 bis 1926. Und in der weiter zurückliegenden Vergangenheit waren die Sätze noch bedeutend höher. Nach Lestschinski *) belief sich die allgemeine Geburtenziffer der Juden in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in Berlin sogar auf 28,3 °/00, sie wäre damit also mehr als doppelt so hoch gewesen, als in der jüngsten Vergangenheit, und beinahe doppelt so hoch als im Durchschnitt *) Probleme der Bevölkerungsbewegung bei den Juden in Metron. Vol. VI. Nr. 2. S.30. der Jahre 1910/11. An dem Rückgang der Regenerativkraft der Juden, ihrer Erneuerung aus sich selbst heraus, kann kein Zweifel bestehen und das gilt nicht bloß für die Juden Berlins. Freilich liegen die Verhältnisse bei der Gesamtbevölkerung Berlins auch nicht viel günstiger. Aber sie liegen viel günstiger in der Gesamtheit der übrigen Landesteile Preußens wie auch des Reichs, das im letzten Jahre einen doch durchaus aus eigener Kraft geflossenen Bevölkerungszuwachs von etwa 460 000 Seelen erfahren hat. Hier sind Geburten- und Sterblichkeitsziffern, die für 1910/12 um 12,5 °/00 auseinander lagen, noch immer, d. h. für 1924/26 um 8,3°/0o voneinander getrennt, während sich für die Berliner Juden im letztgenannten dreijährigen Zeiträume ein Sterblichkeitsüberschuß von 2 °/o0 ergab. Es liegt nahe, von den Geburten zur Betrachtung der statistischen Situation bei den Eheschließungen überzugehen. Da muß ich denn allerdings vorausschicken, daß, wie ich schon vor mehr als 30 Jahren nachgewiesen habe, die Zahl der Eheschließungen in isolierten Gebieten, also auch und gerade in den Städten als zuverlässiger Maßstab der Verheiratbarkeit, der Nuptialität, nicht gelten kann und daß vielmehr für diesen Zweck die Statistik der Eheschließungen durch die der Aufgebote ersetzt werden muß und dies aus folgendem Grund: Wenn sich z. B. Herr Müller aus Berlin mit Fräulein Schulze aus Breslau verlobt, so findet die Trauung doch in der Regel am Wohnort der Braut statt. Vorliegend also in Breslau. Auf dem Breslauer Standesamt wird die Eheschließungskarte ausgestellt. Die Zählung der Eheschließung erfolgt also in Breslau, d. i. da, wo sie durch den Fortzug der Braut einen Abgang der Bevölkerung bedeutet, aber nicht da, nicht in Berlin — denn die Braut folgt doch dem Manne —, wo sie