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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1927-01-01 · Heft 9-12 · p. Seite 139

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1927) (Neue Folge)
Issue
Heft 9-12
Date
1927-01-01
Page
Seite 139 (sequence 8)
Language
German
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- 189 - mit der Mitte des dreijährigen Zeitraums zusammenfällt. Da erhält man denn als Geburtenziffer der Juden den Satz von 12,0 %, als ihre Sterblichkeitsziffer einen solchen von 14,9%, so daß also ein Sterblichkeit s Überschuß im Betrage von 2,0 °/00 sich ergibt. Es sei gleich bemerkt, daß die Gesamtbevölkerung Berlins im gleichen Zeitraum bei einer Geburtenziffer von 11,1 % eine Sterblichkeitsziffer von 11,5 °/00 aufwies, so daß auch hier ein Sterblichkeitsüberschuß aber doch von nicht unwesentlich geringerem Ausmaß, nämlich von nur 0,4°/00 herbeigeführt war. Dabei ist zu beachten, daß es bei der Feststellung der Geburten nach der Konfession nicht ohne Hypothesen abgeht. Man hat bekanntlich die Geburt eines Kindes innerhalb einer Woche beim Standesamt anzumelden, eine Frist, innerhalb deren die Kinder selbst ja noch nicht einer bestimmten Religion zugewiesen sein können. Auf dem Anmeldungsformular wird daher die Religionszugehörigkeit beider Elternteile bei den ehelich Geborenen, der Mutter bei den außerehelich Geborenen angegeben. Bei Mischehen hilft man sich damit, daß je die Hälfte der Gesamtzahl der aus ihnen hervorgegangenen Kinder jeder der beiden beteiligten Konfessionen zugeschrieben wird. Daß das bei den Juden ein zu günstiges Verfahren bedeutet, möchte ich nicht ganz ausschließen. Eine Statistik gibt es darüber nicht. Aber auf eines möchte ich doch hinweisen, das sicher eine zu günstige Beurteilung für die Juden nach sich zieht, d. i. die Zuweisung der aus konfessionell nicht gemischten Ehen hervorgehender Kinder zu der Religion der Eltern. Meine Damen und Herren! Ich habe noch nicht gehört, daß christliche Eltern ihre Neugeborenen in der jüdischen Religion erziehen. Wohl aber geht die Sage, daß es jüdische Eltern geben soll, die ihre Kinder nicht im angestammten Glauben ihrer Väter verharren lassen, sondern sie der Taufe zuführen, damit sie, wie die landläufige Redensart lautet, „es einmal besser haben, als wir selbst". Das aber ist m. E. ein außerordentlich fadenscheiniger Mantel, der die Charakterlosigkeit des Verfahrens aus allen Falten hervorblicken läßt und nichts anderes zeigt als einen Mangel an Ethik, an sittlicher Anschauung. Diese erforderte vielmehr, daß das Kind nicht anders in den Kampf des Lebens eintritt, als mit den Waffen, die ihm die Erziehung im Glauben der Väter und die ihm verliehenen geistigen, körperlichen und moralischen Fähigkeiten darbieten. Es ist nur gut, daß die Taufe keine psysiognomischen Veränderungen herbeizuführen vermag. Für unsere Statistik aber bedeuten diese Fälle eine Ueberschätzung der Zahl der Geborenen jüdischer Religion. Wenn also, wie bereits angegeben, die allgemeine Geburtenziffer der Juden im Durchschnitt der Jahre 1924—26 sich auf 12,0 °/oü ihrer Gesamtzahl stellte und damit gegenüber der Bevölkerung aller Konfessionen ein Mehr von 0,9°/00 aufweist, so ist das rein rechnungsmäßig richtig, soziologisch und für die Fragen der Bevölkerungsbilanz aber nicht richtig. Allerdings kann man diese allgemeine Geburtenziffern als Vergleichsmaßstab für 2 verschiedene Bevölkerungsmassen überhaupt nicht gelten lassen, da für die Geburten doch nur die Frauen im gebärfähigen Alter d. i. von 15 bis 45 Jahren in Frage kommen. So erhält man die Fruchtbarkeitsziffer, die übrigens für die Juden zurzeit gar nicht berechnet werden kann, da ihre Altersverteilung nach Maßgabe der letzten Volkszählung nicht vorliegt. Aber auch die so berechnete Fruchtbarkeitsziffer bedeutet noch keineswegs der Weisheit letzter Schluß,! weil nämlich die Fruchtbarkeit innerhalb des I gebärfähigen Alters noch recht erhebliche I Verschiedenheiten zeigt und dasselbe auch

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