Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 9-12
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 137 - (87 262 Juden) beträgt, zurückbleibt. Für ganz Preußen beläuft er sich auf 1,06 (1910 1,05 %), für das ganze Reich auf 0,90 (1910 0,93 %). In der Stadt Berlin sind also die Juden verhältnismäßig über 4 mal so stark vertreten als in Preußen, 4,8 mal so stark als im Deutschen Reich. Etwas mehr als die Hälfte aller in Berlin wohnenden Juden entfällt auf Alt-Berlin (50,6 %), darunter auf den Bezirk Mitte allein 18,0 %. Von den übrigen 14 Verwaltungsbezirken stellen Charlottenburg, Wilmersdorf und Schöneberg zusammen ein Kontingent von 41,2 % zur Bevölkerung des jetzigen Berlins, so daß für alle anderen 11 Verwaltungsbezirke zusammen nur 8,2 % (14 368 Juden) verbleiben. Absolut am stärksten ist die Vertretung der Juden mit fast 31 000 im Bezirk Mitte (10,5 %), relativ am stärksten mit 13,0 % (22 704) im Bezirk Wilmersdorf. Die geringste Zahl von Juden weisen die Verwaltungsbezirke Köpenick mit 494 und Spandau mit 514 auf. Die Anteilsätze der Verwaltungsbezirke stellen aber doch nur Durchschnitte dar, von denen die in den kleineren Gebietsabschnitten, den früheren selbständigen Gemeinden usw. bestehenden Unterschiede verdeckt werden. Die diesbezüglichen Zahlen sind für die Stadtbezirke von Alt-Berlin für die letzte Volkszählung bis jetzt noch nicht veröffentlicht worden. Für die letzte Friedensvolkszählung von 1910 aber wurden sie für das damalige Berlin, also für Alt-Berlin in der Tat bekanntgegeben und da zeigte sich, daß in einem Stadtbezirk des Spandauer Viertels, also des jetzigen Verwaltungsbezirks Mitte, die Juden sogar die Mehrheit der Bevölkerung aufwiesen. Es war dies der einen Teil des sogenannten Scheunenviertels bildende Stadtbezirk 204 mit einem Anteil von nicht weniger als 51,7 % (402 unter 778). Zur Beurteilung der Entwicklung des jüdischen Bevölkerungseinschlages von Berlin bietet sich als Ausgangspunkt die letzte Friedensvolkszählung vom 1. Dezember 1910 dar. In der Zwischenzeit bis zur neuesten Volkszählung vom 16. Juni 1925 sind zwar drei allgemeine Bevölkerungsaufnahmen erfolgt: 1916, 1917 und 1919, auf die Religionsunterscheidung aber war dabei nicht eingegangen, so daß sie für den vorliegenden Zweck nicht in Betracht kommen. Uebrigens waren sie an sich nur einseitig orientiert, nämlich nach dem Gesichtspunkt der Lebensmittelversorgung, unter dem denn auch ihre Zuverlässigkeit litt. - In den 141/,, Jahren vom 1. Dezember 1910 bis zum 16. Juni 1925 hatte, worauf ich schon früher hingewiesen habe, Alt-Berlin überhaupt keine Zunahme, sondern eine Abnahme um nicht weniger als rund 105 000 Seelen oder um 5,1 % erfahren. Da kann es nicht Wunder nehmen, daß auch die jüdische Bevölkerung Alt-Berlins dem allgemeinen Zuge, wenn auch in verhältnismäßig geringerem Ausmaß folgte, indem sie um rund 2800 Seelen oder 3,1 % zurückging. Anders aber in den Vororten. In Charlottenburg, wo die allgemeine Bevölkerungszahl um 11,3 % gestiegen war, ergab sich für die jüdische eine relativ über 3 mal so schnelle Entwicklung: um 35,7 %. Auf 38,4 % belief sich die Zunahme in der Stadt Schöneberg, und in der dritten früheren Großstadt des Westens, in Wilmersdorf, erklomm sie sogar die Höhe von 115,8 %, so daß hier mit einem Zuwachs von nicht weniger als 11 226 Personen die überhaupt größte absolute Steigerung zustande kam. Vom Zug nach dem Westen waren eben unsere Glaubensgenossen ganz besonders stark gepackt. Wer nicht durchaus aus Berufsgründen an seine alte Scholle in der Altstadt gefesselt war, zog hinaus, erst der eine, dann der andere und