Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 7-8
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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- 116 - Von der Gemeindeverwaltung selbst eingerichtet und verwaltet sind die beiden hebräischen Unterrichtsanstalten in den Räumen der Hauptsynagoge und der Synagoge an der Königsteinerstraße, in denen von 4 Lehrkräften in 9 wöchentlichen Stunden zirka 200 Schüler und Schülerinnen unterrichtet werden. In umfassender Weise wird von seiten der Gemeindeverwaltung, unter der speziellen Leitung eines von der Gemeinde ernannten „Referenten für den Religionsunterricht" (es ist dies zurzeit der dienstälteste Rabbiner) für den Religionsunterricht an den staatlichen und städtischen höheren Schulen, Privatschulen, Mittel- und Volksschulen Sorge getragen, so daß es in Frankfurt a. M. nicht eine einzige staatliche oder städtische Schule gibt, an der die jüdischen Schüler und Schülerinnen nicht Gelegenheit zum Religionsunterricht, fast durchweg gleichzeitig mit den christlichen Konfessionen, hätten. In 71 Schulen (nicht eingerechnet die Realschule und Volksschule der separatistischen israelitischen Religionsgesellschaft, deren statistisches Material dem Verfasser dieses Aufsatzes nicht zugänglich ist) ,und zwar in 19 höheren Schulen, 4 Privatschulen, 13 Mittelschulen und 34 Volksschulen empfingen 2047 Knaben und Mädchen (eingerechnet das Philanthropin mit 762 Schülern) regelmäßigen Unterricht in jüdischer Religion. Da die gesamten Schulen zusammen von 2089 Schülern und Schülerinnen besucht werden, so stellt die genannte Ziffer eine Teilnahme am jüdischen Religionsunterricht von 99,4 % dar. Nur 0,6 % blieben ohne jeden Religionsunterricht; 2 Kinder nahmen am christlichen Religionsunterricht teil. Seit einigen Jahren wird, neben dem hebräischen Unterricht an der Religionsschule und an den hebräischen Unterrichtsanstalten, auch an den städtischen Schulen hebräischer Unterricht erteilt. An den Volks- und Mittelschulen wird derselbe von unten an als regelmäßiger Unterrichtsgegenstand eingeführt. An den Privat- und höheren Schulen wird vorerst nur vereinzelt in besonders geeigneten Klassen der hebräische Unterricht erteilt. Die Beteiligung am Hebräischen ist in beständigem Wachsen. Während noch vor 4 Jahren nur 31,1 % hebräischen Unterricht | hatten, ist die Teilnahme in den folgenden | Jahren auf 50,8 % im Jahre 1924, auf 60 % j im Jahre 1925 und auf zirka 64 % in diesem Jahre gestiegen. Ohne jegliche Kenntnis des Hebräischen blieben 392 Schüler und Schülerinnen, das sind 18,8 %. Diese immerhin beträchtliche Zahl hebräischer Analphabeten j verringert sich indessen, wenn man in Be-! tracht zieht, daß unter den 392 Schülern und; Schülerinnen sich etwa 100 Schüler der ersten Grundschulklassen befinden, die in den I kommenden Jahren am hebräischen Unterj rieht teilnehmen werden. Denn auf Grund der Lehrpläne, von denen noch zu reden sein wird, ist nunmehr der hebräische Unterricht als ein intregierender Bestandteil des Religionsunterrichts zu betrachten. An Unterrichtsstunden an den staatlichen und städtischen Schulen wurden in 180 Abteilungen wöchentlich 380, im ganzen Schuljahr also, bei Zugrundelegung von 40 Schulwochen, 15 200 Stunden Religionsunterricht erteilt. In den höheren und Privat-Schulen werden durchschnittlich 2 Klassen zu Abteilungen zusammengenommen; wo die Frequenz der jüdischen Schüler beträchtlich ist, bildet jede Klasse eine Abteilung für sich. Dort, wo nur sehr wenig jüdische Schüler vorhanden sind, muß oft nur mit einer Wochenstunde vorlieb genommen werden. In einzelnen Mittel- und Volks-Schulen werden 4 oder 3 Religionsstunden in der Woche erteilt.