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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1927-01-01 · Heft 7-8 · p. Seite 102

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1927) (Neue Folge)
Issue
Heft 7-8
Date
1927-01-01
Page
Seite 102 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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- 102 behörden die Dokumente nicht aufbewahren. In Berlin dagegen befindet sich in vorbildlicher Weise geordnet ein großes Material von Dokumenten der Verstorbenen, was natürlich kein Zufall ist. War doch ein hervorragendes Mitglied unserer Gemeinde, Dr. Salomon Neumann, s. A. der Begründer der Berliner Medizinal-Statistik. Auf seine Anregung sind die statistischen Jahrbücher der Stadt Berlin entstanden. Mit den Erkenntnissen, welche hier niedergelegt sind, vergleichen wir die Resultate, die aus der Bearbeitung des jüdischen Materials seit 1881 hervorgehen x). Nachdem nun zwei Jahrzehnte und die beiden Jahre 1924 und 1925 (um die neue Zeit mit der alten vergleichen zu können) durchgearbeitet sind, wollen wir nach und nach die Resultate v/eiteren Kreisen mitteilen. Leider gab es vor der großen Eingemeindung eine Medizinal-Statistik nur im alten Berlin und in Charlottenburg, nicht dagegen in Rixdorf, Deutsch-Wilmersdorf, Steglitz und einigen anderen Vororten. Auf den Papieren der hier Verstorbenen sind die Todesursachen nicht verzeichnet. Viele Juden haben aber in den zuletzt genannten Vororten früher nicht gewohnt, so daß keine sehr große Lücke dadurch entsteht. Wenn wir von ärztlicher Unvollkommenheit oben sprachen, so meinen wir damit die Ungenauigkeit mancher Diagnose, die unfreiwillig sein, aber auch auf Absicht beruhen kann. Es ist menschlich begreiflich — zumal bei jüdischer Mentalität —, daß ein Arzt auf den Totenschein eines erwachsenen Kindes, das noch mehr erwachsene Geschwister hat, anstatt Lungenschwindsucht — Lungenka- *) Im September 1880 wurde der große Friedhof in Weißensee eingeweiht. Unsere Arbeit umfaßt außerdem die, welche seitdem auf dem alten Friedhof in der Schönhauser Allee und auf dem Fried hof der Adaß Jisroel begraben sind. tarrh schreibt. Als nicht seltene Ursache wird chronisches Magenleiden, Leberleiden und Darmverschluß angegeben; daß auch darunter manche bösartige Geschwulst verborgen wird, ist ebenso klar. Unsere Zahlen können deshalb für manche Todesursachen nur Minimalzahlen sein. Noch eine andere auf dem Totenschein vielfach angegebene Todesursache setzt uns bei unserer Arbeit Schranken, d. i. „Herzlähmung". Schließlich stirbt ja jeder Mensch an Herzlähmung. Es ist aber nicht anzunehmen, daß Menschen von 30—40 Jahren eines Herzleidens wegen eine chirurgische Klinik aufsuchen. Die Leiter einer solchen sollten ihre Assistenten dazu anhalten, daß sie auf dem Totenschein die Krankheit angeben, deretwegen die zur Herzlähmung führende Operation ausgeführt wurde. Außerordentlich selten finden wir die Diagnose „Syphilis", fast nur unter denen, die in der Charite gestorben sind. Darüber kann man sich nicht wundern, wenn man bedenkt, daß die Syphilis bis vor kurzer Zeit nicht als eine Krankheit, sondern als eine Schande angesehen wurde. Hingegen erhalten wir ein genaues Bild von der Metasyphilis bei den Juden. Um eine vollständige Klärung dieser Angelegenheit herbeizuführen, werden wir uns auf die Diagnose „Progressive Paralyse" oder „fortschreitende Gehirnlähmung" stützen, welche in der Irrenanstalt gestellt worden ist; wir werden die Diagnose „Gehirnerweichung" bei älteren Leuten, die in ihrem Haushalt gestorben sind, außer Beachtung lassen, da ja mancher thrombotischer oder embolischer oder hämorrhagischer Prozeß zur Erweichung führt. Hingegen werden wir die Diagnose „Rückenmarkschwindsucht" nicht in Zweifel ziehen; sie ist wahrscheinlich viel zu selten verzeichnet worden und hinter Ausdrücken wie „Rückemnarksleiden"

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