Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 5-6
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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— 94 - wachs erhielt. Vor mir liegt nun eine ganze Anzahl Bilder von Schriftleitern der angesehenen isländischen Zeitschrift „Skirnir" aus den Jahren 1860 bis heute. Es sind alles Isländer, nach den rein isländischen Namen zu schließen. Aber der zu erwartende rein nordische Typus ist unter diesen, doch der Oberschicht Islands angehörigen Intellektuellen nur vereinzelt vertreten. Bei einer Preisverteilung wäre es vermutlich ebenso schwer wie bei dem eben erwähnten Wettbewerb, den Mann zu finden, der alle Merkmale der idealen nordischen Rasse in sich vereinte. Aus der Erkenntnis der Unzulänglichkeit der bisher geläufigen Rasseneinteilung hat der frühere Straßburger Anatom und jetzt in Heidelberg wirkende Professor Franz Weidenreich in einem Buch „Rasse und Körperbau" eine neue Einteilung der Menschheit, nicht nur der europäischen, nach „Konstitutionstypen" versucht. Der Versuch ist nicht neu; deutsche, englische, französische, italienische Forscher haben dies Prinzip bereits benutzt, um die Menschen nach ihrem Körperbau zu gruppieren. Am verbreitesten sind die Termini: type respiratoire, type digeslif, type musculaire, type ce"r6bral. Weiden reich begnügt sich mit zwei Haupttypen, die er (nach älterem Vorgang) als „leptosomatischen" und eurysomatischen" Typus unterscheidet. Wir können die gelehrten Ausdrücke ungefähr mit schlankem (grazilem) und gedrungenem (untersetztem) Typus verdeutlichen. Der morphologische Charakter dieser Typen wird eingehend festgestellt. Dieselben Unterschiede werden für die Schädelformen angenommen und ein „leptoprosopischer" und ein „euryprosopischer" Typ aufgestellt. Diese Konstitutionsmerkmale sind unabhängig von den bisher angenommenen Rassenmerkmalen. Zum Beweis dafür* dienen die von reichem Abbildungsmaterial begleiteten Ausführungen Weidenreichs, wobei die beiden Konstitutionstypen bei allen Rassen der Erde nachgewiesen werden. Auch den Juden wird ein, allerdings nur kurzer Abschnitt gewidmet. Weiden reich nimmt an, daß von den beiden wichtigsten jüdischen Stämmen, den Aschkenasim und den Sephardim, dem ersteren eurysomer (gedrungener), dem letzteren leptosomer (graziler) Komplexionscharakter zuzuschreiben sei. Doch schränkt er dies Urteil, wie uns scheint, mit Recht, gleich wieder dahin ein, daß unter allen Juden, unabhängig von der bei ihnen vorausgesetzten Rassenmischung, die leptosome und die eurysome Konstitutionsform in typischer Ausbildung nachweisbar ist und nicht auf eine bestimmte Rassenkomponente bezogen werden kann. In der Tat fehlt es in dieser Hinsicht bei den Juden wie bei allen Völkern der Erde an genügendem statistischen Material. Doch glaubt Verf. aus seinen Untersuchungen den Schluß ziehen zu dürfen, daß jeder der großen Rassenkomplexe der Menschheit die beiden Urtypen, den leptosomen und den eurysomen, vereint, die an sich die betreffenden Hauptrassencharaktere ausgebildet hätten. Aus dem Körperbau allein kann man also die Rassenzugehörigkeit nicht folgern; vielmehr stehen dessen beiden Haupttypen über den Rassentypen als allgemein menschliche Ausbildungsformen. Das Buch von Weidenreich ist besonders bedeutungsvoll als ein Versuch, die stets als unfehlbares Evangelium gepriesene übliche Rassenlehre in ihrer ganzen Unsicherheit und Gewaltsamkeit bioszustellen und, statt die Menschheit in immer subtiler erforschte Unterrassen zu spalten, mehr das dem Menschen als solchem Eigentümliche und allen Rassen Gemeinsame aufzuzeigen. Den ganzen Inhalt des von einem fachkundigen Gelehrten verfaßten Buches konnten wir hier natürlich nicht ausschöpfen; wir mußten uns auf die bedeutungsvollsten Punkte beschränken. Dr. S. Feist. Roma Israelitica, Wanderungen eines Juden durch die Kunststätten Roms von Ermanno Loevins o n. J. Kauffmann Verlag, Frankfurt a. M. 1927. Preis 10 M. Verfasser, Professor und Archivdirektor in Parma, stammt aus Deutschland. Seit 30 Jahren in Italien ansässig, hat er durch seine Werke aus der neueren italienischen Geschichte seinen Ruf als ausgezeichneter Gelehrter begründet. In diesem neuen Buche gibt er in origineller Weise eine lebendige Schilderung der römischen Kunst, soweit sie mit dem Judentum zusammenhängt. Im Spaziergange durch Rom wird aus der Fülle der zahlreichen Kunstwerke der ewigen Stadt allen für jüdische Erscheinungen Interessierten eine gut gewählte Auslese geliefert. Der gelehrte Cicerone läßt so zugleich Zusammenhänge zwischen Kultur- und Kunstgeschichte Roms erblicken; Dokumente aus der Entwicklungsgeschichte der römischen Juden wechseln mit Momentbildern aus dem heutigen römischen Judentum ab. Der Leser wandert mit dem Verfasser am linken und rechten einer späteren Epoche. 18 sind mit hebräischer Inschrift und deutscher Uebersetzung vorbildlich ab-