Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 5-6
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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— 93 — Verhältnismäßig stark ist die Zunahme der jüdischen Bevölkerung in den Großstädten, die seit jeher — sieht man von dem abgetretenen Gebieten im Osten ab — zum größten Teil (1910 mit 68,11 v. H., 1925 mit 72,83 v. H.) in den bedeutenden Handels- und Industriezentren seßhaft war. Besonders auffällig ist auch hier die Steigerung des Anteils in den meisten Städten des Ruhrgebietes, so in Elberfeld, Dortmund, Düsseldorf, Essen, Duisburg, Oberhausen und besonders in Hamborn; in dieser Stadt hat sich die allerdings kleine Zahl der Israeliten von 356 (= 0,34 v. H. der Bevölkerung) auf 818 (= 0,65 v. H.), also auf fast das 2V2 fache erhöht. Statistische Korrespondenz, 53. Jahrgang, Nr. 18 vom 13. 5. 1927. Literatur. Rasse und Körperbau von Professor Franz Weidenreich, Julius Springer Verlag, Berlin 1927, Reichsmark 12,60, gebunden 14,40. Selbstverständlich soll hier nicht die Existenz der weißen, schwarzen und gelben Rassen in Zweifel gezogen werden, obwohl auch bei ihnen in den Grenzgebieten die Uebergange fließend sind und vielfach Mischungen bestehen, deren Zuteilung Schwierigkeiten macht. Was betont werden soll, ist die Unzulänglichkeit der Zerlegung der weißen Rasse, speziell in Europa, in verschiedene Unterrassen. Die Anthropologen haben auf diesem Gebiet bisher nichts Endgültiges zu ermitteln vermocht und auch die zahlreichen, mehr oder minder dilettantischen Nichtfachleute, die sich mit dieser Frage befaßt haben, sind zu sehr abweichenden Ansichten über die Möglichkeit gelangt, die Bewohner Europas in rassenmäßig scharf umrissene Gruppen einzuteilen. Die früher als einheitlich angesehene nordische Rasse wird heute mindestens in zwei, vielfach auch in drei Gruppen zerlegt, die sich in der Form des Schädels und in der Farbe der Augen und Haare unterscheiden. In das Rassengemisch Mitteleuropas Ordnung zu bringen, ist noch keinem Forscher in befriedigender Weise gelungen: die alpine, die dinarische, die „ostische" und „westische" Rasse kreuzen sich hier so gründlich, daß die Zuteilung einzelner Individuen zu einer bestimmten Rasse nur selten, bestimmter Bevölkerungsruppen überhaupt nicht möglich ist. Die von den Theoretikern festgesetzten Rassenmerkmale entsprechen eben nur einem imaginären Idealtypus, der in Wirklichkeit kaum vorkommt. Einzelne Individuen mögen mehrere der geforderten Merkmale besitzen; sämtliche Merkmale scheinen in Wirklichkeit nur höchst selten vereint zu sein. Ein Beweis hierfür bietet das Ergebnis eines im vorigen Jahre vom „Werkbund für deutsche Volkstums- und Rassenforschung" veranstalteten Preisausschreibens für den besten nordischen Rasj senkopf. Nach dem Bericht1) über die eingelaufei nen Bewerbungen haben sich weite Kreise, Hoch wie Niedrig, des deutschen Volkes an dem Preisausschreiben beteiligt. Es waren 793 männliche und 506 weibliche Photographien2), vielfach mit mehrfachen Aufnahmen, eingesandt worden. Studierende, Offiziere (darunter viele adelige), hohe Beamte, Lehrer, aber nur wenige sog. einfache Leute traten mit Bildern von sich selbst oder ihren Kindern in den Wettbewerb ein. Die breite Bürgerschaft, der Bauern- und Arbeiterstand fehlten fast ganz. Man sieht, der Rassensport ist auf ganz enge Kreise beschränkt. Wenn man nun bedenkt, daß vernünftiger Weise doch nur solche Personen ihre Bilder eingeschickt hatten, die den verlangten Merkmalen zu entsprechen glaubten, so ist das Resultat des Preisausschreibens mehr als dürftig. Nur e i n Mann entsprach völlig dem nordischen Rassenideal: lange Schädelform, etwas geneigte Stirn, nordische Nase, betontes Kinn, hinter schmaler Nasenwurzel zurückliegende Augen, Schmalheit des Gesichts und der Lippen, um nur einige Züge zunennen. Auch der geistige Ausdruck sollte eine Rolle spielen. Nr. 2 wies schon „ungünstige" Merkmale auf. « Bei den Frauen war überhaupt kein Bild, das den ersten Preis verdient hätte. Der nordische „Edeltyp" ist also ein Idealbild Günther scher u. a. Rassenforschung, das in Wirklichkeit so gut wie gar nicht vorkommt. Wenn es ein Gebiet gibt, wo der ideale germanische Typus in Reinheit zu finden wäre, so müßte dies die abgelegene Insel Island sein, die im frühen Mittelalter von Norwegen aus kolonisiert wurde und kaum je von anderen Ländern erheblichen Zul) In der Zeitschrift: Volk und Rasse, München 1927, Heft 1, S. 1 ff. ' -) Eine Frage: kann man überhaupt nach Photo- | graphien die Rassenzugehörigkeit einwandfrei bej stimmen?