Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 5-6
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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- 83 — (Kontrollstation Ruhleben), Stettin, Leipzig, Dresden, Frankfurt a. M., Aachen, München, Danzig. Für die Durchwanderer richtete der Hilfsverein eigeneHerbergen in Königsberg, Tilsit, Eydtkuhnen, Soldau ein. Verpflegungsstellen wurden in Schneidemühl, Hannover, Magdeburg, Düsseldorf u. a. organisiert. Für Einkleidung wurde gesorgt. Krankenstationen wurden in Königsberg und Bremen eingerichtet. Zur Information über Auswanderungsangelegenheiten wurde ein Korrespondenzblatt herausgegeben, ferner erschienen zwei Wörterbüchlein, ein englisch-jüdisches und ein spanisch-jüdisches, zur Vermittlung von Kenntnissen der Landessprache besonders wichtiger Einwanderungsländer. Gemäß dem Prinzip, das den Hilfsverein bei seiner Emigrationsfürsorge stets geleitet hat, wurde jede Ermunterung zur Auswanderung vermieden. Doch gewährte er in Notfällen seine Hilfe in mannigfacher Form, z.B. durch Uebernahme von Garantien gegenüber Schiffsgesellschaften für Landungsfähigkeit, Umtausch nichtgültiger Schiffskarten in Deutschland nichtkonzessionierter Linien in gültige usw. Der Hilfsverein förderte durch Arbeitsgemeinschaften oder durch Gewährung von Subventionen jüdische Gemeinden und Organisationen sowohl in Deutschland wie im Auslande. Die Berliner Abfertigungsstelle für jüdische Durch- und Auswanderer in Berlin, verschiedene Gemeinden im Westen, die Deutsche Zentralstelle für jüdische Wanderarmenfürsorge, die am 1. Okt. 1910 ihre Tätigkeit aufnahm, wurden finanziell unterstützt, die Grenzbüros des Hilfsvereins stellten für die unentbehrliche Mitarbeit ihre Dienste zur Verfügung. Im Ausland wurden u. a. das Hilfskomitee für russische Juden in Kopenhagen und das Informationsbüro für jüdische Auswanderer in Basel subventioniert. 40 — 50000 Auswanderern ist in der einen oder anderen Weise jährlich von den Komitees des Hilfsvereins Fürsorge erwiesen worden. Hilfe zur Beförderung wurde 1904—13 rund 200 000 Personen zuteil und zwar : nach den Pogromen Im Jahre Personen 1904\ 15000 1905/ 1906 60 771 \ 1907 36 000 i 1908 18000 1909 15000 1910 15000 1911 12000 1912 12500 1913 15500 Zusammen: 199771 Bei Ausbruch des Krieges stellten die Kontroll- und Registrierstationen ihre Wirksamkeit ein. Nachdem die deutsche Verwaltung in den okkupierten Gebieten des Ostens geordnete Verhältnisse geschaffen hatte, begann die Auswanderung wieder langsam einzusetzen. Der Hilfsverein fand bei seiner Tätigkeit weitgehendes Entgegenkommen bei deutschen Zivil- und Militärbehörden. Nach Abschluß des Krieges, der starke Gebietsveränderungen und Grenzverschiebungen für Deutschland brachte, wurde die Auswandererfürsorge in steter Anpassung an die Verhältnisse weitergeführt. Deutschland bildet nach wie vor das Hauptdurchgangsland für die Auswanderer aus dem Osten. Infolge des gespannten Verhältnisses zwischen Sowjetrußland und Polen wie Rumänien, sind die Wanderwege der Auswanderer aus dem Osten andere geworden als früher. Die Auswanderer aus Rußland können nicht den nächsten Weg durch Polen nach Deutschland einschlagen, sondern müssen über Lettland und Litauen fahren. Eine Rolle für Veränderungen in den Routen der Auswanderung spielt auch das