Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 5-6
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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— 84 - Bestreben Polens, den Auswandererverkehr über den polnischen Hafen Gdynia zu leiten. Deutsche Schiffsgesellschaften sind deshalb bisher in Polen noch nicht konzessioniert. Der Durchgangsverkehr aus den Ostländern durch Deutschland setzt sich aus zwei Kategorien zusammen: Einzelwanderern und Passagieren von Transporten, die Schiffsgesellschaften, deutsche (außerhalb Polens) oder ausländische, und jüdische Emigrationsgesellschaften auf den Weg bringen. Die Transporte gehen nach deutschen und ausländischen Häfen (holländischen, belgischen und französischen). Im Jahre 1921 wurde der Hilfsverein als gemeinnützige Auskunftsstelle für jüdische Durch- und Auswanderung vom Reichswanderungsamt anerkannt. Die Auswandererfürsorge nehmen in erster Linie die Zentrale des Hilfsvereins in Berlin und seine Büros in Hamburg und Bremen wahr. An der Ost- und Westgrenze und Eisenbahnknotenpunkten (Memel [Litauen!, Eydtkuhnen, Königsberg i. Pr., Lyck, Stentsch, Oderberg [Tschechoslowakei], Breslau, Leipzig, Osnabrück, Bentheim) fungieren Vertrauensleute oder Vertrauensstellen. Ständige Bahnhofsdienste sind eingerichtet in Stentsch, Berlin (Schles. Bahnhof) und Osnabrück. In Berlin ist dem Hilfsverein von der Bahnbehörde ein großer Saal auf dem Schlesischen Bahnhof zur Verfügung gestellt, in dem Aus- und Rückwanderer während ihrer Durchreise kürzeren oder längeren Aufenthalt nehmen. Sie erhalten dort Erfrischungen. In Krankheitsfällen wird ihnen ärztliche Behandlung zuteil, bei der Gepäckexpedition wird ihnen geholfen. Auskünfte über Reisewege werden ihnen erteilt. Besonders wichtig ist, daß sie vor unlauteren Elementen bewahrt werden. 3 ständige Beamte üben die Bahnhofsfürsorge aus. Den vorbeugenden Schutz der Auswanderer vor Ausbeutern und die Verfolgung der Ausbeuter, wenn die Emigranten ihnen in die Hände gefallen sind, läßt sich der Hilfsverein besonders angelegen sein. In Zeiten starker Einwanderungseinschränkungen ist die Versuchung, illegale Wege einzuschlagen, besonders groß. Gewissenlose Elemente nutzen gerade in der letzten Zeit die für sie günstige Situation in skrupellosester Weise aus. Der Kampf gegen diese Elemente ist besonders schwierig, da die Schwindler immer neue Manöver anwenden. Eine besondere Aufgabe ist seit Ende 1923 für die gestrandeten Emigranten zu erfüllen, die wegen Erschöpfung der russischen Quote in den Hafenstädten Hamburg und Bremen, wie in anderen europäischen Häfen, zurückbleiben mußten. Ursprünglich betrug die Zahl dieser russischen Emigranten in Hamburg und Bremen 475, jetzt weilen noch 100 in diesen Hafenstädten. Der Hilfsverein hat bei der Fürsorge für diese Emigranten die Mithilfe des United Evacuation Committee, Paris, gefunden, das im August 1925 zur Wahrnehmung der Interessen all dieser gestrandeten Emigranten gegründet wurde und seine Tätigkeit Ende September 1926 eingestellt hat. Durch Herausgabe des Korrespondenzblattes für jüdische Auswanderungsangelegenheiten seit 1922 (kürzere Bulletins waren ihm vorausgegangen) ist der Informationsdienst, der vor dem Kriege seit dem Jahre 1904 bestanden hat, in umfassendem Maße wieder aufgenommen. Das Korrespondenzblatt gibt reichhaltiges Material über wirtschaftliche Verhältnisse, Einwanderungsbestimmungen, Gesetze, statistische Angaben usw. und wird an Behörden, Konsu-