Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 5-6
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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— 81 - im Auszuge weitergegeben werden. Mehrere Millionen Briefe wurden in dieser Art vermittelt. An manchen Tagen liefen an 2000 Briefe ein. Für die Kriegshilfstätigkeit wurden zeitweilig mehr als 100 Hilfskräfte im Büro des Hilfsvereins angestellt. Für das Hilfswerk im Orient wurden im Laufe des Krieges an 3/4 Millionen Mark aufgewandt. Im ganzen wurden in den Jahren 1914—18 durch den Hilfsverein dem Hilfswerk rund 241/* Millionen Mark zugeführt. Politische Verwicklungen und Wirren während des Bürgerkrieges in der Ukraine brachten auch nach Abschluß des Weltkrieges über die Juden Unheil über Unheil. In Lemberg spielten sich grausige Exzesse gegen die Juden im November/Dezember 1918 ab, denen andere folgten. Den Höhepunkt erreichten die Judenverfolgungen in Rußland — wie in der ganzen Geschichte der Judenheit überhaupt — durch Pogrome in der Ukraine vom Schluß des Jahres 1918 an. In den Jahren 1919—1923 sind vom Hilfsverein beträchtliche Mittel für verschiedene Zweige des Hilfswerks ausgegeben bezw. gesammelt worden. So wurde insbesondere ein größerer Betrag für das Ukrainehilfswerk aufgebracht. Infolge der immer stärker sich entwickelnden Geldentwertung konnten die eingegangenen Summen nicht in der wirksamen Weise Verwendung finden wie früher. Seit Herbst 1922 hat der Hilfsverein die Fürsorge für 25 ukrainische Waisenkinder übernommen, die nach Deutschland überführt wurden und in verschiedenen Anstalten in Berlin und dem Reiche ausgebildet werden. Der Hilfsverein ist bemüht, der großen Not zu steuern, in der sich in Deutschland studierende junge Leute aus Osteuropa befinden. Er hat für eine Hilfsaktion für Studenten in höheren Semestern in den letzten Jahren erhebliche Summen beschafft. Erwähnung verdient noch, daß der Hilfsverein die Weiterleitung von Geldern nach Rußland übernimmt, die von Juden in Argentinien, Brasilien und Canada an ihre Angehörigen in Rußland gesandt werden. Ferner übt der Hilfsverein einen Brief - Vermittlungsdienst von großem Umfange zwischen Polen und Litauen aus, zwischen denen noch keine postalische Verbindung besteht, und leitet auch ihm zugehende Gelder weiter. Eine Wiederaufnahme seiner Tätigkeit in Rußland liegt im Programme des Hilfsvereins. Dies war auch ein Lieblingsplan von Dr. Paul Nathan. Im November vorigen Jahres nahm Dr. Nathan noch zusammen mit dem Generalsekretär des Hilfsvereins, Dr. Wischnitzer, an der Konferenz der Jüdischen Kolonisationsgesellschaft Oset in Moskau teil. E s i s t i n R u ß - land eine jüdische Siedlungsbewegung und Berufsumschichtung im Gange, der in großem Maßstabe das Joint Distribution Comittee und die Jewish Colonization Association ihre Mithilfe leihen. Eine ergänzende Beteiligung auf begrenztem Felde gedenkt der Hilfsverein zu übernehmen. Er erwartet, daß die deutsche Judenheit Mittel zu einer Anteilnahme an einem Werk von hoher Bedeutung für die russische Judenheit und damit für die Judenheit der ganzen Welt zur Verfügung stellen wird. Auswanderung. Die Auswandererfürsorge des Hilfsvereins, deren Aufbau Ende des Jahres 1904 einsetzte, erhielt ihre festen Grundlagen durch