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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1927-01-01 · Heft 5-6 · p. Seite 80

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1927) (Neue Folge)
Issue
Heft 5-6
Date
1927-01-01
Page
Seite 80 (sequence 17)
Language
German
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— 80 - Unmittelbar nach Ausbruch des Krieges nahm der Hilfsverein die Fürsorgearbeit für die in Deutschland befindlichen Russen, zirka 80 000 an Zahl, auf. Mit Genehmigung der Zivil- und Militärbehörden wurde ein interkonfessionelles „Unterstützungskomitee für bedürftige Russen" gegründet, dem unter andern Dr. Paul Nathan und Dr. Bernh. Kahn angehörten. Dieses Komitee aibeitete im Büro des Hilfsvereins der Deutschen Juden, das die ausführende Instanz im Kleinen wie im Großen war. Zuerst stellte die Zarenregierung, nach der Revolution die ihr folgende Regierung dem Komitee Mittel zur Verfügung. Das Komitee verausgabte für Heimbeförderung und Unterstützung in Deutschland befindlicher Russen, auch Zivil- und Kriegsgefangener, 23/4Mill. M. Der Hilfsverein hat für das große Hilfswerk aus eigenen Mitteln nach Erschöpfung der russischen Hilfsgelder erhebliche Aufwendungen gemacht. Das grandiose Hilfswerk der amerikanischen Judenheit für die Kriegsopfer in Europa setzte auf Appell des Hilfsvereins Ende des Jahres 1914 ein. Die Hilfstätigkeit für die von Deutschland besetzten Gebiete im Osten wurde in der Hauptsache von dem „Jüdischen Hilfskomitee für Polen und Litauen zur Verwaltung amerikanischer Unterstützungsgelder" ausgeübt, das in enger Personalunion mit dem Hilfsverein stand. Dr. James Simon, der Vorsitzende des Hilfsvereins, war zugleich Vorsitzender des Hilfskomitees. Die Arbeit im Osten ruhte im wesentlichen in den Händen von Dr. Nathan und Dr. Kahn. Es wurden von den Genannten häufig Reisen nach dem Osten unternommen. Die Zahl der Juden in den besetzten Gebieten, die unter dem Kriege in der einen oder anderen Form zu leiden hatten, ist auf 2X\2 Millionen geschätzt worden. Von dem Jüdischen Hilfskomitee und ergänzend dem Hilfsverein der Deutschen Juden wurden vielfache EinrichtungenzurHilfeleistung getroffen, insbesondere Volksküchen. Zu Beginn des Jahres 1918 bestanden in den besetzten Gebieten des Ostens etwa 600 Volksküchen, Abgabestellen für Naturalien, Teehallen, Schulspeiseanstalten, die von mehr als 400 000 Personen in Anspruch genommen wurden. In Warschau allein waren an 100 000 Besucher oder Benutzer der Volksküchen vorhanden, außerdem wurden dort noch 12—15 000 Schulkinder gespeist. In Wilna waren rund 40 000 Personen von Volksküchen und ähnlichen Einrichtungen abhängig. Von dem JüdischenHilfskomitee wurden bis zum Ausbruch des Krieges zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten, im Jahre 1917, 12 459 000 Mark verausgabt. Der systematische Aufbau des Hilfswerks, Weiterleitung der Gelder, Ueberwachung der Verteilung und Verwendung, fielen dem Hilfsverein zu. Das Komitee für Polen und Litauen wurde nach einer Stockung durch ein neutrales holländisches Komitee abgelöst, das in den ersten Monaten des Jahres 1918 seine Tätigkeit aufnahm. In der Zwischenzeit trat der Hilfsverein, wie auch in der Folge, subsidiär ein. Eine weitere Aufgabe erfüllte der Hilfsverein durch Weiterleitung von Geldern von Verwandten ausAmerika und anderen Staaten an Angehörige in den besetzten Gebieten — in Gesamthöhe von Mk. 10 000 000 in kleinen Beträgen, wie durch Briefvermittlung von einem Riesenumfang zwischen den besetzten Gebieten und dem feindlichen oder neutralen Ausland. Die Briefe waren in verschiedenen Sprachen abgefaßt und durften nach den behördlichen Bestimmungen ausnahmslos nur

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