Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 3-4
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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- 53 - Kriegsjahre hatte die Wanderung in Deutsch- | iand fast ganz aufgehört, damit bestand aber j auch zur Aufrechterhaltung der Wanderfür-! Sorgeorganisation keine Notwendigkeit mehr. j Die Nachkriegsjahre brachten andere Elemente der Wanderung nach Deutschland, brachten Menschen hierher, denen vornehmlich und in erster Reihe Arbeit beschafft, politischer und Rechtsschutz gewährt werden j mußte. Diese Aufgaben erfüllte das Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen : Deutschlands. j Die Stabilisierung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland, die zunehmende Arbeitslosigkeit und Verarmung des jüdischen Mittelstandes, riefen eine verstärkte Binnenwanderung hervor, die zu einer außerordentlichen Belastung für die gesamte jüdische Wohlfahrtspflege, für sämtliche jüdi- I sehen Gemeinden wurde. Diesem umfangreichen Problem mußte mit vereinten Kräften i begegnet werden. Dies führte zu Beginn des i Jahres 1925 zur Gründung der Haupt- ' stelle für jüdische Wanderfürj sorge, an der im wesentlichen jene Organisationen beteiligt sind, die vor und nach j dem Kriege sich mit den Problemen der j Wanderung und Wandererfürsorge beschäfj tigten. Die Wanderfürsorge in Deutschland ist; auch außerhalb der jüdischen Wohlfahrtsj pflege von aktuellster Bedeutung. Die Verhandlungen und Beratungen betreffs einer j reichsgesetzlichen Regelung j der Wanderfürsorge haben infolge der j außerordentlichen Schwierigkeit und Kom-! pliziertheit des Problems bis jetzt zu keiner | einheitlichen Lösung geführt. Die Pro-; blematikderjüdischenWanderj fürsorge ist im Verhältnis zur! allgemeinen noch viel kompli-; zierter, weil hier in einem sehr erheblichen Umfange Wanderer j vorhanden sind, die die deutsche Staatsangehörigkeit nicht besitzen, für deren Fürsorge andere Methoden und Mittel in Frage kommen. Diesem wichtigen Teil jüdischer Wohlfahrtspflege widmet sich die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge. Die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge und Arbeitsnachweise wurde durch Beschluß der Mitgliederversammlung der Deutschen Zentrale für jüdische Wanderfürsorge und des Arbeiterfürsorgeamtes vom 18. Januar 1925 als Arbeitsgemeinschaft des Arbeiterfürsorgeamtes der Jüdischen Organisationen Deutschlands, der Deutschen Zentrale für jüdische Wanderfürsorge und der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden begründet. Am 1. April 1925 hat die Hauptstelle ihre Tätigkeit aufgenommen. Die Ziele, die bei der Gründung der Hauptstelle verfolgt wurden, gingen dahin, in aller Kürze ganz Deutschland einheitlich zur Erledigung der Fragen der Wanderfürsorge zu organisieren. Die Provinzen und Länder sollten zu Landesbezw. Provinzialkassen zusammengefaßt werden. Die einzelnen Gemeinden der Provinzen sollten verpflichtet werden, sich finanziell an der Aufrechterhaltung der Provinzialkassen zu beteiligen, um es ihnen zu ermöglichen, die Durchwanderer auf weite Strecken zu befördern. Die Beförderung auf weite Strecken wurde von der Hauptstelle deshalb propagiert, um all die Kleingemeinden, die zwischen den einzelnen Provinzialkassen liegen, von dem Durchwandererverkehr, dem sie finanziell nicht gewachsen sind, zu verschonen, um auf der anderen Seite zu verhindern, daß all die Durchwanderer durch die Notwendigkeit des Aufsuchens aller Gemeinden allmählich zu Schnorrern gemacht werden. Es wurde den einzelnen zu grün-