Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 3-4
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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— 52 — nie gegen die russischen Juden erst vom Jahre 1905 an. Hinter diesen Pogromen stand zum ersten Male eine ganz Rußland umfassende Pogrom-Organisation, und die Pogrome spielten sich ab unter dem Schutze und teilweise unter Mitwirkung des Militärs und der Polizei. Schon von Beginn des Jahres an fanden vereinzelte Pogrome statt. Vom 30. Oktober 1905 bis zum Schlüsse des Jahres 1906 kam es nach den Berichten des Hilfsvereins in 661 Städten zu schwersten Ausschreitungen gegen die Juden. Die Juden waren das Opfer der in ihrer Macht bedrohten herrschsüchtigen Bürokratie, die die Freiheitsbewegung des russischen Volkes als Ausfluß des jüdischen Geistes an den Pranger zu stellen suchte und mit allen Mitteln dahin strebte, diese Bewegung durch Contrerevolution zu unterdrücken. Schluß folgt. Jüdische Wonfierittrso Siehe Dr. Segall: Z. f. D. St. d. J. 1. Jahrg. 1924,: Kreuzberger, 2. Die jüdische Wanderfürsorge gehört seit jeher zu den schwierigsten und wichtigsten Problemen der jüdischen Wohlfahrtspflege. Die eigenartige Wirtschaftslage der Juden im Osten zwang vor dem Kriege und zwingt auch heute noch in jedem Jahr Hunderttausende, ihre Heimat zu verlassen, um in fremden Ländern Arbeit und Lebensmöglichkeiten zu suchen. Deutschlands geographische Lage zwischen Ost und West bringt es mit sich, daß es schon seit Jahren das Hauptdurchwanderungsland für jüdische Wanderer ist. Die Hunderttausende jüdischer Wanderer aus dem Osten, die vor dem Kriege nach Nord- und Südamerika gewandert sind, benutzten Deutschland als Reiseweg. Der Aufschwung der deutschen Passagier-Schiffahrt vor dem Kriege ist in einem nicht geringen *) Entnommen dem Bericht über die Tätigkeit der Hauptstelle für Jüdische Wanderfürsorge für die Zeit vom 1. 4. 1925 bis 31. 12. 1926. rge in Steutstiilanti.*) 1—4, Sch. Rudel, 1. Jahrg. 1924, 5—6, Dr. Max Jahrg. 1925, 2. Umfange eine Folge dieser starken Wanderung aus dem Osten gewesen. Neben dem großen Wanderungsstrom, der Deutschland nur als Durchgangsland benutzte, hat es bereits vor dem Kriege auch eine erhebliche jüdische Binnenwanderung in Deutschland selbst gegeben. Sie setzte sich aus jenen Wanderern zusammen, die kein festes Reiseziel im Ausland hatten und in Deutschland selbst nach Arbeit suchten, aber auch aus hier Staatsangehörigen, die infolge wirtschaftlicher Verhältnisse oder infolge sonstiger Notlage gezwungen waren, ihren Heimatsört zu verlassen. Wenige Jahre vor dem Kriege hatte sich die Erkenntnis von der Notwendigkeit einer Regulierung und Organisierung dieser Wanderung soweit durchgesetzt, daß eine spezielle Organisation, die deutsche Zentrale für jüdische Wanderfürsorge, geschaffen wurde, der die Fürsorge für die mittellosen Binnenwanderer in Deutschland oblag. Während der