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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1927-01-01 · Heft 3-4 · p. Seite 51

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1927) (Neue Folge)
Issue
Heft 3-4
Date
1927-01-01
Page
Seite 51 (sequence 20)
Language
German
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— 51 — — infolge des Chederwesens und in Palästina speziell des Chalukkasystems. Im ganzen türkischen Reiche schmachten die Juden zum großen Teile unter dem Drucke tiefer Armut und Not. Die Renaissance der Juden des Orients durch Bildung im weitesten Sinne — intellektuelle, geschäftliche, technische — und durch Arbeit auf dieser Grundlage ist das Problem, das zu lösen ist, das keine Phüantropie allein lösen kann, sondern zu dessen Lösung zugleich die Geister gewonnen werden müssen, die dieser Entwicklung zum Teil noch widerstrebend sich entziehen." Der Kampf gegen die Hilfsvereinsschulen in Palästina, der sogenannte Sprachenstreit im Jahre 1913, dessen Ausgangspunkt Forderungen bezüglich des Hebräischen als Unterrichtssprache im Lehrplan der Mittelschule und des Technikums in Haifa bildeten, ließen den Bestand des Schulwerks des Hilfsvereins unerschüttert und seinen Charakter unverändert. Während des Weltkrieges wurde das Schulwerk des Hilfsvereins in der europäischen Türkei und in Palästina fortgeführt, in Palästina seit dem Jahre 1917 in eingeschränktem Umfang. Am 31. Mai 1918 schloß die englische Okkupationsbehörde das Schulwerk des Hilfsvereins, und es wurde zionistischer Verwaltung übergeben. Der neu entstandenen politischen Konstellation, der Neugestaltung der wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem Friedensschluß, wie der Lage der Dinge in Palästina Rechnung tragend, nahm der Hilfsverein seine kulturelle Tätigkeit im Orient nicht wieder auf. Hilfswerk. Gleich von Beginn an beteiligte sich der Hilfsverein an verschiedenen Aktionen zur Besserung der wirtschaftlichen Lage der Juden in Rumänien undGalizien. Er gab Mittel für Vorschußkassen in Rumänien her, für eine Kreditgenossenschaft in Galizien, für die Einführung von Hausindustrien in Galizien und für die Ausbildung galizischer Knaben, die die Baron Hirsch-Schulen absolviert hatten, bei Handwerksmeistern in Westösterreich. Bei schweren elementaren Katastrophen trat er vielfach ein — bei Feuersbrünsten, die im Laufe des Jahres außerordentlich oft in Osteuropa und im Orient sich ereigneten und häufig ganze kleine Städte oder Stadtteile von großen Städten zerstörten, ferner bei Erdbeben, Ueberschwemmungen, Epidemien. Angeführt seien hier nur der Brand in den Konstantinopeler jüdischen Vorstädten Haskieu vom März 1908, der 5000 Juden ihrer Heimstätte und Habe beraubte, und in Balata vom Juli 1911, wodurch über 1000 jüdische Familien obdachlos wurden, zu einer Zeit, wo gerade die Cholera wütete. Der ersten russischen Pogrom-Epoche in den Jahren 1881—1883 waren bis zum Schluß des neunzehnten Jahrhunderts vereinzelte Judenexzesse gefolgt. Zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts brachen im Frühjahr und Herbst 1903 Pogrome in Kischinew und Hornel aus, die, schrecklich wie sie waren, doch nur eine weitere tragische Episode im Schicksale der russischen Juden zu bilden schienen. Der Hilfsverein sandte zweimal Delegierte nach Kischinew und berief eine internationale Konferenz nach Berlin. Der Ausbruch des russisch-ja-» panischen Krieges 1904 brachte Not über viele jüdische Familien durch Einberufung der Ernährer zum Kriegsdienst und hatte auch eine große Zahl von Exzessen gegen die jüdische Bevölkerung im Gefolge. Der Hilfsverein wandte in den Jahren 1903/4 für Katastrophen und Hilfswerk 420500 Mk. auf. ihren furchtbaren Charakter und ihre furchtbaren Dimensionen erhielten die Pogro-

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