Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 3-4
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Beirut 1× ep/1047833
- Haifa 1× ep/1047930
- Hebron 1× ep/1047559
- Safed 1× ep/1046078
- Tiberias 1× ep/1048138
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— 50 — Schulwerk. Zunächst sei des gegenwärtig abgeschlossenen Kulturwerks des Hilfsvereins kurz gedacht, dem eine große, jetzt aber nur noch historische Bedeutung zukommt. Innerhalb eines Jahrzehntes hat der Hilfsverein ein umfassendes eigenes Schulwerk in der europäischen und asiatischen Türkei — Palästina — geschaffen und im Orient, wie in Rumänien, Bulgarien, Griechenland (früher europäische Türkei) eine beträchtliche Anzahl von Schulen verschiedener Art subventioniert — Kindergärten, Elementarschulen, Haushaltungsschule, Handwerkerschule, Waisenanstalten. Das imposante palästinensische Schulwerk wurde in rascher Folge, systematisch aufgebaut. Kindergärten bildeten den Unterbau; Elementarschulen, höhere Knaben- und Mädchenschulen in Haupt- und Provinzstädten, Kolonieschulen vermittelten den weiteren Unterricht; Lehrerseminar, Handelsrealschule, Rabbinerkursus, Kindergärtnerinnenkursus bildeten den Abschluß. Das Jüdische Institut für technische Erziehung in Palästina zu Haifa verdankt dem Hilfsverein seine Begründung. Das Lehrerseminar wurde bereits 1904 ins Leben gerufen. Es hatte die Mission zu erfüllen — und hat sie erfüllt — für den Orient qualifizierte Lehrkräfte aus dem Orient heranzubilden. Zu den Lehrfächern gehörte u. a. auch landwirtschaftlicher und Handfertigkeitsunterricht. Durch Entsendung deutscher Lehrkräfte wurde deutsche Wissenschaft und deutsche Sprache, ein für Handel und Wandel im Orient und in den Balkanländern höchst wertvoller Besitz, weiten Kreisen der jüdischen Bevölkerung erschlossen. Im Jahre 1913 umfaßte das Schulwerk des Hilfsvereins 44 Anstalten, darunter in Rumänien 4 mit 800 Schülern, in Saloniki 4 mit 700 Schülern, in der europäischen Türkei 4 mit 600 Schülern, in Palästina 28 mit über 3000 Schülern, davon 14 in Jerusalem, die übrigen in Jaffa, Haifa, Safed, Beirut, Tiberias, Hebron, Rechowoth, Katra. Das Schul werk unter eigener Verwaltung des Hilfsvereins wurde in Palästina von Direktor Ephraim Cohn-Reiß, Jerusalem und in der europäischen Türkei von Rabbiner Dr. D. F. Markus, Konstantinopel, geleitet. Die Grundsätze, nach denen die S c h u 1 e n im Orient aufgebaut wurden, sind u. a. im Bericht des Hilfsvereins vom Jahre 1908 wie folgt niedergelegt: „Die Organisation des Schulwerks des Hilfsvereins erfolgt nach den regionalen Bedürfnissen. Die Sprachenbeherrschung ist für die Juden im Orient eine Schicksalsfrage. Daher ist neben den erforderlichen Kenntnissen in den Realien die Kenntnis der Landessprachen, des Türkischen resp. Arabischen unerläßlich, ferner ist für die Bevölkerung der größeren Städte mit ausländischen Handelsbeziehungen die Kenntnis einer Kultursprache von hohem Werte, und schließlich ist Hebräisch unentbehrlich für die Juden als ideales Einheitsband, als das Vermächtnis ihrer Geschichte und die Sprache ihrer heiligen Schrift, aber auch als das praktisch notwendige Verständigungsinittel zwischen den vielsprachigen Gemeinden im Orient — aschkenasischen, sephardischen, marokkanischen, bucharischen, grusinischen, persischen, jemenitischen und sonstigen Juden. Die hebräische Sprache hat sich im Orient bereits in wunderbarer Weise als lebendige Sprache eingebürgert — in Palästina nicht zum geringsten Teile durch Vermittlung der vom Hilfsverein der Deutschen Juden dort eingeführten Kindergärten. Die Juden des Orients. leben vielfach noch in ökonomischer und intellektueller Passivität. Ihre Gaben sind unentwickelt geblieben