Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 3-4
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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tiven Erscheinung können wir lernen: Der Ausfall eines Zuwachses in diesem Gebiete der beiden heiligen Städte, die die Zentren des alten jüdischen Jischuw und der alten Kolonien bilden, erklärt sich aus dem Stillstand der Kolonisationsarbeit überhaupt in diesem der Pika unterstellten Verwalrungsgebiete. Wäre im Gegenteil die Vermehrung der jüdischen Bevölkerung dieses Gebietes in demselben Tempo vor sich gegangen, wie dies in den Gebieten der Meeresküste (Jaffa, Ramien, Haifa) oder im Emek der Fall war, so hätten wir heute im Bezirk Tiberias die absolute Mehrheit, im Bezirk Safed— 35% der Gesamtbevölkerung erreicht. In demselben Maße, als uns das positive Beispiel des Emek und der Meeresküste als anregendes Muster dienen soll, so möge uns auch das negative Beispiel des Stillstandes der jüdischen Kolonisationsarbeit im unteren und oberen Galiläa eine dringende Warnung j in unserem Aufbauwerk von Erez Israel sein. I Zur Gesdiidrte des Hllfsvereins der Deutschen Joden. Von Arthur Goldschmidt, Berlin. Der Hilfsverein der Deutschen Juden wurde im Jahre 1901 gegründet. Seine Hauptbegründer, Dr. James Simon und der jetzt dahingeschiedene D r. Paul Nathan, sind seine Führer geworden und geblieben. Durch die Statuten wurde dem Hilfsverein das humanitäre Ziel gesetzt, die sittliche, geistige und wirtschaftliche Entwicklung der Glaubensgenossen zu fördern. Die Tätigkeit des Hilfsvereins sollte insbesondere den Glaubensgenossen im östlichen Europa und in Asien zugewandt sein. Es wurde in ihm eine ständige, bei eintretenden Katastrophen sofort aktionsfähige Organisation geschaffen anstelle der bisher bei Notständen improvisierten Hilfskomitees. Zugleich stellte er eine repräsentative neutrale Vertretung der deutschen Juden bei der Mitarbeit an dem wirtschaftlichen und kulturellen Hilfswerk dar, das die Lage der osteuropäischen und orientalischen Juden dauernd erfordert. Die Mittel zur Ausübung seiner Tätigkeit fließen dem Hilfsverein durch ständige Mitgliedsbeiträge und Subventionen zu. Bei Katastrophen von großem Umfange — durch Pogrome und Kriege — hat der Hilfsverein Spezialsammlungen vorgenommen, meistens in Gemeinschaft mit der Großloge für Deutschland und dem Frankfurter Hilfskomitee für die osteuropäischen Juden. Außerdem wurden dem Hilfsverein in Katastrophenjahren große Beträge seitens ausländischer Organisationen und Sonderkomitees anvertraut. Der Hilfsverein entfaltete seine Tätigkeit insbesondere auf drei Gebieten: Schulwerk, Hilfswerk, Auswandererfürsorge. Bald nach seiner Begründung trat der Hilfsverein in stärkste Aktion. Die ersten Jahrzehnte des zwanzigsten Jahrhunderts gehören zu den bewegtesten Epochen der Weltgeschichte und den traurigsten der jüdischen Geschichte. In den Zeiten, wo die osteuropäischen Juden von blutigen Katastrophen verschont blieben, waren sie — in Rußland und Rumänien — das Opfer eines schmählichen Staatsregimes, barbarischer bürgerlicher und politischer Entrechtung und wirtschaftlicher Unterdrückung.