Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 3-4
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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— 44 - Skeletts besitzen, so daß wir die verschiedenen Wuchsformen der Knochen durchaus nicht nur auf erbliche Veranlagung zurückzuführen, sondern ebenso hierbei an klimatische und örtliche Beeinflussungen zu denken haben. Es steht zu hoffen, daß Messungen an Individuen inzuchttreibender Familien in Amerika Aufschluß darüber geben werden, wie weit die Ueberpflanzung auf einen anderen Kontinent imstande ist, die als erblich angesehene Körperform zu ändern. Es wird von modernen Anthropologen behauptet, daß nicht nur die Juden, sondern alle Europäer, mit Ausnahme der Italiener und anderer Südeuropäer, in Amerika größer und langbeiniger werden, daß ihre Stimme einen rauhen Klang annimmt und europäischen Wohlklang verliert, so daß manche Amerikaner behauptet haben, wenn das so weitergeht, werden wir Indianer, wobei natürlich ausgeschlossen ist, daß die spärlichen übrig gebliebenen Reste von Indianerblut bei dieser Umwandlung die Form des Durchschnittsamerikaners maßgebend beeinflussen. Es muß allerdings mitgeteilt werden, daß in letzter Zeit die Rassenvermischung in Amerika ebenso häufig zu werden beginnt wie im früheren Europa. Die Vermischung des weißen und schwarzen Blutes hatte ja ständig seit Einführung der Guineasklaven derartig stattgefunden, daß die weißen Männer mit den schwarzen Sklavinnen Mulattenbastarde für die Sklavenmärkte zeugten. So erklärt sich denn, daß es reinrassige Neger in Amerika überhaupt nicht gibt, sondern nur Mulatten, in deren Adern schwarzes und weißes Blut gemischt ist. In den letzten Jahrzehnten haben aber in ganz Amerika die Mischungen zwischen roter und weißer Rasse derartig zugenommen, daß die rotweiße Mischung beginnt, einen anthropologisch bemerkenswerten Teil des amerikanischen Blutes zu bilden, was in früheren Jahrhunderten nur von Südamerika zu berichten war. Die Chilenen allerdings besitzen wohl sämtlich indiani- sches Blut, da die erobernden Spanier gänz- | lieh ohne Frauen nach Chile eingedrungen j sind, und daher die ganze heutige chilenische Bevölkerung als eine rotweiße Mischbevöl-; kerung anzusehen ist. Es ist anthropologisch interessant, daß wir außer Stande sind, die Chilenen von den Südeuropäern, trotz ihrer historisch nachgewiesenen Bastardierung mit j Indianerblut, zu unterscheiden. In genau der i gleichen Weise sind wir heute nicht imstande, j einen ungemischten Europäer zu unterschei- | den von allen Mischlingen in Europa, in j deren Adern mongolisches oder asiatisches i Blut fließt. Gehen wir in Europa vom 1 Westen nach dem Osten, so finden wir bei den Bevölkerungen eine ständige Zunahme von Merkmalen, welche auf asiatische Herkunft, ja sogar auf ostasiatische Herkunft hinzudeuten scheinen. Es muß aber bemerkt werden, daß davon gewisse Stämme in Westasien eine Ausnahme machen, indem sie weit weniger asiatische Merkmale zeigen als im Osten und Südosten wohnende Europäer. So finden wir die breiten slawischen Backenknochen nur bei einem Teile der westasiatischen Stämme vertreten. Dabei lebt in P a - 1 ä s t i n a eine Bevölkerung noch heute und auch in früherer Zeit, welche sich gerade wegen Fehlens breiter Backenknochen von den Angehörigen der mongolischen Stämme unterscheidet, und noch heute zeigen d i e Juden in Europa bedeutend schmälere Wangen als Russen und Balkanvölker, so daß hier also; Europäer das asiatische Merkmal tragen, während diese w e s t a s i a t i - sehen Stämme und Bevölkerungendasspezifischeeuropäische Merkmal der schmalen Wangen, des vorspringenden Kinns, der rosigen Haut, der roten Lippen