Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 3-4
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- 40 — Westasiaten ond Europäer in anthropologisdier Beziehung. Von Prof. Hans Friedenthal, Universität Berlin. (Aus der Arbeitsstätte für Menschheitskunde an der Universität Berlin.) In der „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" gibt Dr. S. Feist in Berlin in Heft 1 und 2 des 4. Jahrganges, Seite 6, eine referierende Kritik über den in einem früheren Heft dieser Zeitschrift erschienenen Artikel des Verfassers „Sind die Juden eine Rasse?". Eine ganze Reihe von den Fragen, welche Dr. Feist dabei aufwirft, werden in der folgenden Arbeit ihre Erledigung finden. Dagegen muß mitgeteilt werden, daß es nicht unlogisch ist, wenn man den Komponenten des Erbgutes nachspürt, das wir in den europäischen Juden vertreten finden, wenn man dieselben auch nicht als eine Rasse auffassen will. Gerade für ein Rassengemisch ist die Auffindung der Komponenten äußerst wichtig. Wenn Dr. Feist es bemängelt, daß in meiner früheren Arbeit die facies judaica in der Darstellung zu kurz gekommen sei, so liegt das daran, daß der Verfasser überzeugt ist, daß hier kein Rassenmerkmal vorliegt, welches in gleicher Weise wie eine Erbanlage ein charakteristisches Gepräge ergibt. In einer ganzen Reihe von Schriften finden wir die Meinung vertreten, daß die Juden im Großen und Ganzen ihren Ursprung aus Westasien ableiten und als Asiaten den Europäern völlig blutsfremd seien. Es ist bekannt, wie sehr die Rassenforschung noch im Argen liegt und wie wenig Ordnung die grundlegenden Arbeiten der berühmten Rassenbiologen bisher in den Köpfen der großen Menge haben stiften können, trotzdem wir sagen können, daß wir heutzutage sehr wohl imstande sind, gut begründete und den Definitionen gut entsprechende Aufklärungen in den menschlichen Rassenfragen abgeben zu können. In einer früheren Arbeit hat Verfasser bereits darauf hingewiesen, daß die Juden selbstverständlich zu keiner Rasse gehören können, weil eine Religionsgemeinschaft keine Rassenzugehörigkei bedingt und damit alle Menschen jeder Rasse, welche zum Judentum übergetreten sind, als Juden bezeichnet werden müssen, ganz abgesehen von ihren anthropologischen Formen. Bei verschiedenen Schriftstellern ist bereits darauf hingewiesen worden, daß sowohl mongolische Stämme wie Chinesen in größerer Menge, ebenso wie Afrikaner jeder Hautschattierung, zum Judentum übergetreten sind und ihre Rasseneigenschaften mit den Juden über die ganze Erde verbreiteten. Ferner ist bekannt, wieviele Angehörige anderer Religionsgemeinschaften mit Juden sich vermischt haben, wobei es immer dem Zufall überlassen bleibt, ob die entstehenden Mischlinge zur jüdischen Religionsgemeinschaft gerechnet werden oder anderen Religionsgemeinschaften angehören. In der vorliegenden Arbeit soll nun aber gezeigt werden, daß nicht nur das Wort „Jude" ganz ungeeignet ist zur Rassenbezeichnung, sondern daß selbst eine Beschränkung auf nur aus Palästina stammende jüdische Familien uns nicht erlauben würde, von einer ehemaligen jüdischen Rasse im strengen Sinne sprechen zu können. Wir besitzen gut beglaubigte historische Zeugnisse dafür, daß eine von den jüdischen Führern bei der Einwanderung in Palästina geplante völlige Rassenabsonderung der siegreichen Eindringlinge von den besiegten Ureinwohner gescheitert ist, und daß wir allen Grund haben, zu vermuten, daß der Menge