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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1927-01-01 · Heft 3-4 · p. Seite 39

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1927) (Neue Folge)
Issue
Heft 3-4
Date
1927-01-01
Page
Seite 39 (sequence 8)
Language
German
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so — festgestellt worden sind. Auf die Jahre 1915 bis 1920 entfällt ein Todesfall an Lues congenita bei Juden, auf das Jahr 1920 entfallen 25 Todesfälle bei Nichtjuden. Die Mortalität anAlkoholismus soll zwanzig mal geringer gewesen sein als bei Nichtjuden. Diese Statistiken sind zwar vorerst noch klein, behalten aber doch als exakte Feststellungen ihren Wert, wenn sie auch noch einer Erweiterung an größerem Material bedürfen. Bei der Statistik von Herrn Kollegen Globus ist besonders zu berücksichtigen, daß die Fälle von frischer Syphilis in den letzten 10 Jahren fast überall in Europa im Rückgang begriffen sind. Bezüglich des Vorkommens spätsyphilitischer Erkrankungen innerer Organe schreibt Prof. Gubergritz folgendes: „Die Syphilis ist bei den Juden keine sehr häufige Erkrankung. In den Nachkriegsjahren ist sie häufiger geworden und bei den Juden auch relativ gewachsen. Sie ist bei den in Abgeschlossenheit lebenden Juden seltener, als bei anders lebenden Juden, insbesondere kommt sie bei den nach alter Tradition lebenden Juden auch jetzt noch ziemlich selten vor." Nach den Erfahrungen von Prof. Gubergritz sind Spätfolgen der Syphilis bei den Juden vorzugsweise am Herz und Gefäßsystem, besonders oft in der Form der Aortitis luica und der Angina pectoris und am Zentral-Nervensystem zu treffen. Seltener findet man dagegen syphilitische Erkrankungen der Bauchorgane bei den Juden. Auch Kollege S c h a b a d teilt als allgemeinen Eindruck mit, daß die Syphilis bei den Juden seltener, als bei den Nichtjuden auftritt und daß sie bei den nach der Tradition lebenden Juden seltener anzutreffen ist als bei den anderen. Die Spätsyphilis, insbesondere die Syphilis des Nervensystems, soll nach den Erfahrungen von Herrn Kollegen Wirschubski in Wilna stark zugenommen haben. Den gleichen Eindruck hat auch Herr Kollege G1 o b u s in Wilna. Die vorstehend niedergelegten Beobachtungen über die Spätsyphilis bei den Juden verdienen ein besonderes Interesse deshalb, weil man bei Juden im allgemeinen häufiger als bei Nichtjuden eine Anfälligkeit des Nervensystems und auch des Herzens und des Gefäßsystems gegen Erkrankungen antrifft. Auch ich habe bei einem Vergleich meiner bei Juden und Nichtjuden im Krankenhaus und in der Privatpraxis gemachten Erfahrungen den bestimmten Eindruck gewonnen, daß die Arteriosclerose und die Neigung zu Erkrankungen der Coronar-Arterien sowie auch die einfache Hypertonie bei Juden häufiger vorkommen, als bei Nichtjuden. Die Gründe für ein solches Vorkommnis sind, soweit das Nervensystem in Betracht kommt, ohne weiteres klar. Aber auch die Häufigkeit der Arteriosclerose und der einfachen, „genuinen", Hypertonie bei den Juden möchte ich letzten Endes auf die durch viele Generationen hindurch erfolgte Ueberreizung des Nervensystems der Juden zurückführen, da wir ja wissen, in wie enger Abhängigkeit Vorgänge am Circulations-Apparat vom Nervensystem stehen. Wenn nun trotzdem die Zahl der durch Syphilis erzeugten Nervenerkrankungen und, wie ich auf Grund eigener Erfahrungen mitteilen kann, auch der durch Syphilis erzeugten Herz- und Gefäßerkrankungen bei den Juden geringer ist als bei den Nichtjuden, so spricht dies dafür, daß entweder die Syphilis bei den Juden seltener vorkommt als bei den Nichtjuden oder daß die Syphilis bei den Juden seltener Spätwirkungen entfaltet als bei den Nichtjuden. Daß ersteres tatsächlich zutrifft, ist weiter oben gezeigt. Ob und wie das zu zweit genannte Moment zutrifft, läßt sich vorerst noch nicht mit absoluter Exaktheit entscheiden und bedarf infolgedessen noch weiteren Studiums.

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