Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 1-2
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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— 23 — der Bodenkulturverein und interessierte Privatpersonen, die sich auf Veranlassung der „Simon'schen Stiftung" 1908 zu der „Land und Lehrguts G. m. b. H." zusammenschlössen; die Geschäftsführung lag in den Händen der Simon'schen Stiftung. Das Gut, im Kreise Isenhorst-Hannover gelegen, wurde im Jahre 1909 erworben; es besteht aus 400 Morgen Ackerland, über . 200 Morgen bester Wiesen und Weiden, 250 Morgen ausgelegten Forstes, 6 Morgen Gartenland sowie 150 Morgen bereits entwässerten Moores. Der Schwerpunkt der Wirtschaft lag in der Viehzucht, es waren 12 Pferde, 75 Stück Rindvieh und 200 Schweine vorhanden, dazu Geflügel. An Ackerfrüchten wurden hauptsächlich Roggen, Hafer und Kartoffeln gebaut. Entsprechend einer dreijährigen Lehrzeit wurden die Lehrlinge in drei Gruppen eingeteilt. Der jüngste Jahrgang wurde mit leichten Handarbeiten beschäftigt, der zweite zur Viehhaltung herangezogen, der älteste bediente die Gespanne und wurde mit der Führung einfacherer Wirtschaftsbücher beschäftigt. Zur Ergänzung der praktischen Ausbildung wurde, vor allem im Winter, Unterricht erteilt. Im landwirtschaftlichen Fachunterricht wurde entsprechend der Stufenfolge der praktischen Arbeit vorgegangen. Im ersten Jahre botanische Uebungen und Pflanzenbaulehre, im zweiten Jahre Zoologie und Tierzuchtlehre, im dritten chemische Grundbegriffe, Düngerlehre, Feldmessen und Wesentlicheres aus dem Geschäftsbetriebe des Landwirts. Das Ziel, eine größere Anzahl junger Menschen zur Landwirtschaft mit Hilfe dieses Lehrgutes umzuschichten, konnte nicht eri eicht werden. Nur zwei Jahrgänge von je 6 Lehrlingen wurden bis 1914 zur Entlassung gebracht. Es entsprach dies Resultat auch an und für sich dem Prinzip der Anstaltsleitung, nur wenige Knaben als Lehrlinge aufzunehmen, damit die Einzelausbildung möglichst gut gehandhabt werden konnte. Die wenigen Lehrlinge aber, die in Steinhorst ausgebildet wurden, genossen eine sehr gute Ausbildung, so daß sie sov/ohl bei jüdischen als auch bei christlichen Besitzern anstandslos bezahlte Stellungen fanden. Eine Prüfung von Zöglingen, die sich an den von der „Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft" eingerichteten Lehrlingsprüfungen unterzogen, ergab befriedigende Leistungen. Eine Massenausbildung wäre in Steinhorst zwar nicht möglich gewesen, aber einen, wenn auch nur kleinen Stamm landwirtschaftlicher Pioniere unter den deutschen Juden hätte es zweifellos heranbilden können. Doch wurde22) das Gut ohne Zutun des Bodenkultur-Vereins verkauft, weil es infolge der Kriegswirren nicht mehr möglich war, mit vollem Erfolge zu arbeiten; es gelang aber, die Lehrlinge wenigstens anderweit unterzubringen. Als Ersatz für Steinhorst wurde nun vom Bodenkultur-Verein ein 160 Morgen großes Terrain in Buckow bei Berlin in Angriff genommen, das der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin dem Verein in Würdigung seiner Zwecke überließ. Unter Leitung eines ehemaligen „Ahlemers" konnte der Ausbau langsam vor sich gehen, nachdem das Unternehmen zuerst provisorisch in fremden Räumen untergebracht war, die nur kurze Zeit zur Verfügung standen. Nach und nach gelang es, Vieh, besonders Milchvieh und Kleintiere, zu beschaffen. Die Ausbildung in Buckow erfolgt in allen Zweigen der Landwirtschaft, vornehmlich im Gemüsebau. Die Nähe Berlins ermöglichte es, daß, besonders im Winter, ein Teil der Eleven stets in Berlin die Vorlesungen an der Landwirtschaftlichen Hochschule hören kann. Einen weiteren Ersatz für Steinhorst versuchte der Bodenkultur-Verein durch Errich- M) Wie aus dem 19./20. Bericht des Bodenkultur- Verein» hervorgeht.