Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 1-2
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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- 22 zu geben, auf eigener Scholle ein gesichertes Heim durch eigene Kraft und Arbeit zu erwerben, und um den jüdischen Stamm durch eine sittlich und körperlich starke Generation vor dem drohenden Untergang zu bewahren. Er hat den Zweck, die Erziehung der deutschen jüdischen Jugend zur Bodenbewirtschaftung zu fördern und ferner in zweckmäßiger Weise die Vermehrung der Seßhaftigkeit auf dem Lande zu bewirken, sowie die Erfahrungen jüdischer Landwirte zu benutzen, um den Juden die Möglichkeit zu gewähren, Ackerbau, Obst-, Gemüse-Gartenbau und Viehzucht zu erlernen. Um die Beschlüsse der Konferenz durchzuführen, hat der Verein eine umfangreiche Propaganda durch Vorträge, Broschüren, und werbende Artikel in den jüdischen Zeitungen jeglicher Richtung entfaltet; er zählt zurzeit zirka 2000 Mitglieder 19). Die praktische Tätigkeit des Vereins besteht in der Ausbildung jüdischer Eleven in der Landwirtschaft und in Gewährung von Stipendien und Darlehen für landwirtschaftliche Ausbildung. Da er mit den andern Trägern der Berufsumschichtungsbestrebungen, der Simon'schen Stiftung und dem „Hechaluz", gemeinschaftlich Hand in Hand arbeitet, brauchen wir hier seine Tätigkeit im einzelnen nicht näher zu verfolgen. Er ist an fast allen Versuchen, die in diesem Abschnitt geschildert werden, beteiligt. Auf die Gründung des Consul Simon in Ahlem eingehend einzugehen erscheint uns notwendig, da hier zum ersten Male in Deutschland systematisch versucht worden ist, Juden in größerer Anzahl zu landwirtschaftlicher Tätigkeit umzuschichten, so daß die Augen ") Darunter an leitender Stelle Männer wie Prof. ' Franz Oppenheimer, Prof. Warburg, Dr. Theilhaber j und den Vater der ganzen Bewegung, Dr. Arthur! Kahn. j aller Bodenreformer wie gebannt auf Ahlem gelenkt sind20). Die Gartenbauschule ist der Mittelpunkt Ahlems; ihr werden wohl auch immer die meisten Schüler angehören. Denn der Gartenbau wird aus naheliegenden wirtschaftlichen und psychologischen Momenten der Teil der Bodenbearbeitung sein, der zunächst einmal die meisten jüdischen Kreise anziehen wird21). Einmal ist die Möglichkeit als Gärtner sich selbständig zu machen, infolge geringeren Kapitalbedarfs, größer als beim Landwirt. Dann aber entspricht der Beruf des Gärtners mehr der jüdischen Psyche, da er gestattet, in Stadtnähe und damit in der Nähe jüdischer Gemeinschaft zu leben. Ferner bedingt die Gärtnerei eine größere geistige Beweglichkeit als der Landbau, daneben auch eine gewisse Geschmackskultur, beides Eigenschaften, die der Jude im allgemeinen besitzt und deren er sich gern bedient. Nachdem die Versuche mit Ahlem gezeigt haben, daß es möglich ist, die jüdische Jugend in kleinerem Ausmaße mit Erfolg zur Bodenkultur auszubilden, war man bestrebt, eine größere Anzahl junger Leute zur Landwirtschaft auszubilden und auf dem platten Lande seßhaft zu machen. — Da der 1907verstorbene Consul Simon sein gesamtes Vermögen in Form einer: „Alexander und Fanny Simon'schen Stiftung" für Zwecke der Zuführung der Juden zur Bodenkultur vermacht hatte, konnte man, um zu versuchen, einen Stamm landwirtschaftlicher Pioniere zu schaffen, dann das Lehrgut Steinhorst 1909 gründen. Zur Gründung dieses Lehrgutes vereinigten sich der „Hilfsverein der deutschen Juden", -°) Siehe die Broschüre: Ahlem, eine Kulturtat der deutschen Judenheit. -1) Aus Ahlem, eine Kulturaufgabe der deutschen judenheit. S. 7.