Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 1-2
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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gen soll es mit der Berufsberatungsstelle des j „Verbandes für jüdische Wohlfahrspflege, I Elberfeld-Barmen", dessen Tätigkeit sich auf große Teile des Rheinlandes erstreckt,; stehen15). j 2. Versuche zur Umschichtung zur j Landwirtschaft. a) Durch Errichtung von Lehrgütern und einer Gartenbausch ule. Der Gedanke, die deutschen Juden der; Landwirtschaft zuzuführen, wurde bereits im j Emanzipationsjahr 1812 in die Praxis umzui setzen gesucht durch die bereits im vorigen Abschnitt besprochene „Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Juden des preußischen Staates". Doch gelang es ihr nicht, irgendwelche Erfolge in Bezug auf die Zuführung zur Landwirtschaft zu erzielen, so daß sie sich auf die Zuführung von Juden zum Handwerk beschränkte. Erst 1845 versuchte man wieder, Juden zur Landwirtschaft umzuschichten, doch hatte das Verfahren nur wenig Zweck16), da die wenigen jungen Leute, die sich auf die Propagandatätigkeit der Gesellschaft hin meldeten, zwar als Lehrlinge in der Landwirtschaft untergebracht wurden, aber kein Gedeihen fanden. Es meldeten sich nur Söhiie unbemittelter Eltern, denen keine Aussicht auf den selbständigen Betrieb in der Landwirtschaft gemacht werden konnte, und für eine Anstellung als Inspektoren und Verwalter waren die Aussichten sehr zweifelhaft und wenig verlockend. Erst im Jahre 1884 würde der Gedanke, die Juden der Landwirtschaft zuzuführen, vom Consul M. A. ") Doch ist es unmöglich, hierüber nähere Angaben zu machen, da trotz wiederholter dringlicher schriftlicher Bitte um Ueberlassung von Material j keine Anwort erfolgt ist. ") Adler, a. a. O. S. 12. | Simon, einem gründlichen Kenner jüdischer Verhältnisse, die er in der ganzen Welt eingehend studiert hatte, wieder aufgegriffen. Dieser Mann kehrte mit dem Entschluß nach Europa zurück, jüdische Kinder schon während der Schuljahre durch Handfertigkeits¬ und Gartenbau-Unterricht für Handwerk und Bodenkultur vorzubereiten und ihnen Lust und Liebe zu diesen Berufen einzuflößen. Gemeinschaftlich mit einer Anzahl gleichgesinnter Männer gründete er 1884 den „Verein zur Förderung des Handfertigkeits -und Gartenbau-Unterrichts in den jüdischen Volksschulen. Doch konnte dieser Verein sein Ziel nicht erreichen. Das Israelitische Lehrerseminar in Hannover wurde zwar durch eine größere Subvention veranlaßt, Handfertigkeits- und Gartenbauunterricht obligatorisch in den Lehrplan aufzunehmen, doch hatte dieser Versuch nicht den gewünschten Erfolg; die Ursache lag teils in der Ueberbürdung der Seminaristen, teils in den oft nur ungenügenden Lehrkräften; andere Seminarien, an die man sich wandte, verhielten sich völlig ablehnend 17). Da das Ziel so nicht erreicht werden konnte, wurde von Consul Simon mit gleichgesinnten Männern die „Israelitische Erziehungsanstalt in Ahlem" (bei Hannover) im Jahre 1893 gegründet, deren jetziger Name lautet: „Israelitische Gartenbauschule Ahlem". Wenige Jahre später wurde auf einer Konferenz jüdischer Männer und Frauen nach einem Referat Tuchs18) der „Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands" gegründet, um der jüdischen Jugend neue Lebensbahnen aufzuschließen, ihr die Möglichkeit l7) M. A. Simon a. a. O. S. 5 f. iH) Referat Gustav Tuchs betr. Beteiligung deutscher Juden an heimischer Landwirtschaft auf der Berliner Konferenz am 24. 10. 1897.