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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1927-01-01 · Heft 1-2 · p. Seite 20

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1927) (Neue Folge)
Issue
Heft 1-2
Date
1927-01-01
Page
Seite 20 (sequence 21)
Language
German
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beratung selbst liegt in Händen einer Berufsberaterin und ihrer Assistentin. Die Notwendigkeit, besondere jüdische Berufsberatungssteilen, neben den schon vorhandenen städtischen zu gründen, ergab sich einmal, weil bei der jüdischen Beratung auf gewisse Dinge Rücksicht genommen werden muß, um die eine städtische, interkonfessionelle Beratungsstelle sich nicht kümmert, wie z. B. um die Fürsorge der rituellen Kost für jüdische Lehrlinge oder die Freihaltung des Sabbaths, vor allem aber, weil die jüdische Berufsberatung möglichst an ihrem Teile mitzuarbeiten versucht an der Durchführung der Berufsumschichtungsbestrebungen; sie erstrebt ganz besonders, durch die ganze Art der Berufsberatung, möglichst viele Kinder in handwerkliche Berufe überzuführen; oberstes Prinzip bleibt der schon 1916 aufgestellte Grundsatz: „Eröffnung von körperlich arbeitenden Berufen in Stadt und Land". Der Gang der Berufsberatung ist ähnlich der der städtischen. Grundlage ist hier wie dort, der spezialisierte Fragebogen, sowie die eingehende Unterhaltung der Beraterin mit den Jugendlichen 10). Zeigt der Jugendliche Interesse für Landwirtschaft, so wird er sofort dem „ H e c h a 1 u z " 1 x) überwiesen. Sonst beginnt die Beraterin mit dem Jugendlichen ein eingehendes Gespräch über einen zukünftigen Beruf, indem sie immer wieder auf das Handwerk zu sprechen kommt. Zu diesem Beruf versucht sie, Lust und Liebe bei den Jugendlichen zu erwecken, wobei an den Wänden hängende Zeichnungen und Bilder, handwerkliche Betriebe darstellend, sie unterstützen, da durch diese guten Nachbildungen den Kindern Einsicht in die Fabrikation und den ganzen Aufbau der Betriebe geboten 10) Der der Verf. mit Erlaubnis der Beraterin beiwohnen durfte. n) Siehe S. 24 dieser Arbeit. | wird. Ist es der Beraterin nun gelungen, Interesse für ein Handwerk bei den Jugendlichen zu wecken, so daß sie sich später mit Erlaubnis der Eltern für einen handwerklichen Beruf erklären, so werden sie zum Vertrauensarzt gesandt zur Untersuchung der körperlichen Eignung für den gewählten Beruf. Die Beratungsstelle übernimmt dann die i Sorge für die Vermittlung der Lehrstelle. Für : bedürftige Lehrlinge stehen Beihilfe-Fonds; zur Verfügung. Im März 1924 ging die Beratungsstelle da- zu über, eine eigene Lehrwerkstätte zu errichten, und zwar eine Tischlerwerkstätte, in der; unter Leitung eines Meisters 14 Knaben arbeiten, die nach dreijähriger Lehrzeit ausge- ' lernt haben. Nicht nur in Berlin, sondern auch in andej ren Städten versucht man seit Beendigung des Krieges, durch Berufsberatung die Bestrebungen zur Berufsumschichtung zu fördern. Doch blieb der Erfolg oft aus. So beschränkt sich z. B. der „Jüdische Stellen- und Arbeitsi nachweis" in Hannover, obwohl er Berufs- | beratung treiben soll, auf Stellenvermitt- lung 12), ohne Berücksichtigung der Berufsi beratung. Die Beratungsstelle in Danzig ist13) völlig eingegangen. Auch die Beratungsstelle des „Bundes israelitischer Wohlfahrtsvereinigungen in Baden", auf die man in Süddeutschland ganz besondere Hoffnungen gesetzt hatte, ging ein. Sie war 1918 gegründet worden; 1919 vermittelte sie14) 26 Jugendliche, darunter 20 in handwerkliche Berufe; doch 1920 und 21 gab sie die Beratung fast ganz auf, um diese endlich 1923 infolge schlechter finanzieller Lage einzustellen, zumal die umfangreiche Arbeit in keinem Verhältnis stand zum Erfolge. Günstiger dage- 12) Wie aus einem Schreiben an den Verf. hervorgeht. 13) Nach Auskunft von privater Seite an den Verf. ") Nach brieflicher Mitteilung an den Verf.

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