Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 1-2
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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— 18 - vermindern diese Mißerfolge; Knaben, die aus solchen Heimen hervorgegangen sind, sind fast alle ihrem Beruf treu geblieben. Aus diesen Gründen sind die jüdischen Handwerkermeister stets mit großem Nachdruck für die Ausbildung jüdischer Knaben in Lehrlingsheimen eingetreten, haben ihre Verbände („Verband selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens" und „Central-Verband jüdischer Handwerker Deutschlands") den Direktoren der Lehrlingsheime stets mit Rat zur Seite gestanden. Den ersten Weg, den der Unterstützung, beschritt zuerst auch der vom „Deutsch-Israelitischen-Gemeinde-Bund" 1880 gegründete „Verein zur Verbreitung des Handwerks unter den Juden". Die Meldungen zur Ergreifung eines Handwerks waren aber verhältnismäßig selten. Die in Obhut genommenen Lehrlinge entsprachen nicht den Erwartungen; auch das Verständnis der Eltern der Lehrlinge den Bestrebungen des Vereins gegenüber war sehr gering, ihr ideelles Interesse fehlte und mußte erst durch materielle Förderung geweckt werden. Daher entschloß sich denn 1887 der Verein, dessen Name seit 1901 lautet: „Verein zur Förderung des Handwerks und der technischen Berufsarten unter den Juden", ein eigenes Lehrlingsheim in Düsseldorf zu gründen. Aus diesem Heim sind bisher über 600 Zöglinge hervorgegangen5), die sich heute alle in .gesicherter Position befinden. Besonders beliebt waren der Beruf des Schneiders, Schlossers, Maschinenbauers, Technikers, Goldschmieds, Schumachers, Bäckers, Klempners, Bildhauers und Malers, nur selten waren im Heim: Maurer, Zimmerer und Schornsteinfeger. 5) Die Angaben entstammen einem Schreiben des Direktors des Heimes, Herrn Salinger, vom 10. Juli 1923 an den Verfasser. Aehnlich wie in diesem Heim geht die Ausbildung jüdischer Knaben zum Handwerk vor sich in den Lehrlingsheimen zu Marburg6) und Straß bürg, doch kommt letzteres seit 1918 für die Zuführung deutscher Juden zum Handwerk ja nicht mehr in Frage. Aus dem Düsseldorfer Lehrlingsheim ging das 1899 gegründete: „Israelitische Lehrlingsheim Köln" zur Erziehung jüdischer Knaben, die sich dem Handwerk und technischen Berufsarten widmen, hervor. Die Anzahl der Zöglinge betrug bis zum Kriege jährlich zirka 30, nach dem Kriege 15—20 Knaben. Die Zöglinge machen nach Beendigung der Lehrzeit bei den vom Leiter des Heimes ausgewählten Meistern ihre Gesellenprüfung, oder besuchen eine Fachschule. Sie beharren später in ihren Berufen und kommen gut voran7); eine größere Anzahl früherer Zöglinge hat es zu angesehenen Meistern gebracht. Auch hier wurde von der Leitung die Erfahrung gemacht, daß eine erfolgreiche Erziehung und Ausbildung der Lehrlinge im allgemeinen besser gewährleistet ist, wenn diese im Lehrlingsheim erzogen werden, als wenn sie bei Meistern auswärts in die Lehre gehen, deshalb wurden schon in den ersten Jahren nach der Gründung die Zöglinge im Heim behalten, wo sie der fortgesetzten Aufsicht in der Werkstatt unterstehen und neben dem Unterricht in den gewerblichen Fortbildungsschulen auch am Unterricht und Turnen im Heime teilnehmen müssen. Nach den Berufen verteilen sich die nach beendeter Lehrzeit entlassenen Zöglinge des letzten Betriebsjahres: Es waren: Schneider: 4, Schlosser: 4, Installateure: 3, Elektrotechniker: 2, Maurer: 2, Sattler: 1. f) Nähere Angaben über dieses Heim zu geben, ist uns leider nicht möglich, da auf wiederholtes Schreiben an die Leitung keine Antwort erfolgt ist. T) Nach Mitteilung des Leiters an den Verfasser.