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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1927-01-01 · Heft 1-2 · p. Seite 17

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1927) (Neue Folge)
Issue
Heft 1-2
Date
1927-01-01
Page
Seite 17 (sequence 18)
Language
German
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bis zum Jahre 1825 geben die Archive nur dürftige Nachrichten; aus einem in diesem Jahre erschienenen Bericht geht hervor, daß die Gesellschaft seit 1812 insgesamt 107 Pfleglinge in ihre Obhut genommen hatte; von diesen hatten sich 6 als Meister niedergelassen, 17 waren Gesellen, 73 standen noch in der Lehre, 9 hatten das Handwerk wieder aufgegeben, 2 waren gestorben. Es handelt sich durchweg um Handwerker, wie wir sehen: die Versuche der Gesellschaft, Juden der Landwirtschaft zuzuführen, hatten keinen Erfolg. Bis 1898 hat die Gesellschaft unterstützt und gefördert 1232 Lehrlinge, von denen über 2/3 ausgelernt haben. Es geht hieraus hervor, daß bei fast einem Drittel der unterstützten Lehrlinge kein Erfolg zu erzielen war. Die Gewohnheit, Lehrlinge, die im elterlichen Hause schlecht untergebracht waren, und elternlose Knaben bei Privaten in Pflege zu geben, hatte sich also für die Zuführung der Knaben zum Handwerk oft nicht als förderlich erwiesen. Daher schritt die Gesellschaft zur Errichtung eines eigenen Lehrlingsheimes m Pankow bei Berlin mit Anfangs 6 Lehrlingen; später (1896) konstituierte sich ein selbständiger Verein „Lehrlingsheim Pankow E. V.", der ebenfalls ein Grundstück in Pankow erwarb; mit diesem Verein wurde eine enge Fühlungnahme erreicht, die schließlich zur Verschmelzung beider Vereine führte. Dieses Lehrlingsheim3) untersteht einem Kuratorium sowie zwei Direktoren von zwei jüdischen Waisenhäusern in Berlin; die Leitung hat ein festbesoldeter Direktor. Die Lehrlinge, im Durchschnitt 20—25, werden bei zuverlässigen Meistern in die Lehre gege- 3) Die folgenden Angaben sind Auszüge teils aus den Akten, in die dem Verf. frdl. Einblick gewährt wurde, teils den Zusammenstellungen und Jahresberichten der betr. Vereine und Häuser. ben; Leistungen, Fleiß und Betragen werden vom Anstaltsdirektor sorgfältig uberwacht Neben den Pflichtfortbildungsschulen besuchen die Zöglinge auch noch Wahlfortbildungs-, Fach- und Handwerker-Schulen, außerdem wird ihnen auch im Hause Unterricht erteilt, mit besonderer Berücksichtigung der Religions- und Turnstunden, damit der Körper den hohen Anforderungen, die der Beruf an die körperlichen Kräfte stellt, gewachsen ist. Bisher wurden 153 Lehrlinge nach beendeter Lehrzeit und nach Ablegung der Gesellenprüfung entlassen. Nach dem Vorbilde dieses Vereins wirkten und wirken, wie schon eingangs erwähnt, zahlreiche andere Vereine und Gesellschaften 4), die, besonders am Ende des vorigen Jahrhunderts gegründet, getreu dem Beispiel der ersten Gesellschaft dieser Art versuchen, entweder durch Prämiensystem und Unter-» stützungswesen den Zugang der Juden zum Handwerk zu fördern, oder die Erziehung und Ausbildung jüdischer Knaben selbst in die Hand nehmen durch Errichtung von Lehrlingsheimen. Der erste Weg, durch Unterstützung von Handwerkerlehrlingen zur Schaffung jüdischer Handwerker beizutragen, führte recht oft nicht zum gewünschten Erfolge. Viele der Vereine, die ihre Aufgabe nur darin erblickten, einen Beitrag zu zahlen an die Angehörigen zu den Kosten der Ausbildung, ohne auf die Wahl des Meisters, die Erziehung, den Fortbildungsunterricht, die Uebung des Berufsstolzes und der Berufsfreude genügend Rücksicht zu nehmen, haben oft erlebt, daß durch Gleichgültigkeit der Eltern der Eifer der Zöglinge erlahmte und viele Knaben sich infolge mangelhafter Ausbildung oft von ihrem Berufe abwandten. Die Lehrlingsheime dagegen 4) Siehe Statistisches Jahrbuch des „Deutsch- Israelitischen-Gemeinde-Bundes" S. 238/240.

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