Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 1-2
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Bcrufsumsdiiditungsbestretaingen Innerhalb der jüdischen Bevölkerung Deutschlands. Von Dr. Erwin Baron, Berlin. Den folgenden Aufsatz haben wir einer Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde auf der Universität Rostode entnommen. Die Redaktion. 1. Versuche zur Umschichtung zum Handwerk. a)DurchGründungvon Vereinen zur Förderung des Handwerks und Errichtung von Lehrlings - heimen. Das Ziel der Berufsumschichtungsbestrebungen im deutschen Judentum ist, die deutschen Juden im möglichst großen Ausmaße dem Handwerk und der Landwirtschaft zuzuführen. Wie dieses Ziel durchzuführen versucht wurde und wird, soll in diesem Kapitel an einer Reihe von Beispielen gezeigt werden. Die Versuche, die Juden in Deutschland bewußt diesen beiden Berufen zuzuführen, konnten naturgemäß erst einsetzen, als den Juden von der Gesetzgebung gestattet wurde, sich diesen zuzuwenden, also erst nach der Emanzipation der Juden im Jahre 1812; Es standen nun zwei Wege offen, die Juden dem Handwerk zuzuführen bezw. den Zugang zum Handwerk, sofern er freiwillig erfolgte, zu befördern: Die Gewährung von Unterstützungen an jüdische Handwerkerlehrlinge während der Ztit ihrer Ausbildung,, von Prämien zum Anreiz höchster Leistung, von Beihilfen für jüdische Meister, oder aber die Erziehung und Ausbildung jüdischer Knaben in besonderen, für diesen Zweck errichteten Lehrlingsheimen. Ein dritter Weg ist die Erziehung jüdischer Handwerker in den jüdischen Waisenhäusern; ein vierter wurde erst im letzten Jahrzehnt beschritten, der der jüdischen Berufsberatung. Die beiden ersten Wege ging die im Emanzipationsjahr 1812 gegründete „Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Juden des preußischen Staates". Ein genaueres Eingehen auf diese Gesellschaft erscheint notwendig, da sie zum Vorbilde für zahlreiche andere Vereine gleicher Art geworden ist. Durch Patent vom 29. I. 1813 wurden die Gesetze der Gesellschaft, deren Titel bis 1845 lautete: „Gesellschaft zur Beförderung der Industrie", vom Berliner Polizeipräsidenten Le Coq genehmigt, die mit folgenden Worten eingeleitet sindx): „Nachdem durch Edikt vom 11. März 1812 Einwohnern jüdischen Glaubens alle bürgerlichen Rechte und Freiheiten der Christen beigelegt worden sind, hat sich zur Beförderung der Industrie unter den Bewohnern der königl. preußischen Staaten jüdischer Religion, namentlich zur Verbreitung der Handwerke und der Landwirtschaft eine Gesellschaft gebildet — —, deren Zweck dahin gehen soll, unvermögende junge Leute zu Handwerkern und zum Ackerbau zuzuführen, sie bei geschickten Meistern, wo es erforderlich ist, mittels Prämien in die Lehre zu geben, und überhaupt den Geist der Industrie durch Unterstützung und Aufmunterung aller Art unter den jüdischen Religionsgenossen im preußischen Staat so viel als möglich zu beleben, zu befördern und zu erhalten. Veranlaßt wurde diese Gründung vor allem: um das ~herrschende Vorurteil, als hätten wir eine ausschließende Neigung zum Handel, mit Gemeinsinn und Beharrlichkeit mutig zu besiegen." Ueber die Geschichte der Gesellschaft ») Marcus Adler a. a. O. S. 31 ff.