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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1927-01-01 · Heft 1-2 · p. Seite 10

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1927) (Neue Folge)
Issue
Heft 1-2
Date
1927-01-01
Page
Seite 10 (sequence 11)
Language
German
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— 10 — sehr versagt, wie Friedenthal angibt, möchte ich lebhaft bezweifeln. In Mitteleuropa und selbst in Rußland ist der kraushaarige Jude ein in Literaturwerken so häufig betonter Typus, daß er nur dem Leben abgelauscht sein kann. Nach meiner Erfahrung ist die Kopfbehaarung bei Juden eigenartiger, als bei dem Durchschnitt der nord- und osteuropäischen Bevölkerung und nähert sich sehr dem südeuropäischen Verhältnis, wo Kraushaar bei Männern und Frauen nicht selten ist. Liegt hier negritischer Einschlag vor, der auf die Urzeit der europäischen Menschheit zurückgehen mag? Weiterführt Friedenthal aus, daß die rassenmäßige Begabung der Juden zahlenmäßig von derjenigen der übrigen Bevölj kerung nicht abweicht. Wenn man hervori hebt, daß die großen Menschheitsgenies in der Mehrzahl Nichtjuden gewesen sind, so entspricht das der statistischen Wahrscheinlichkeit, da die Juden immer nur eine verschwindende Minderheit bildeten. Eine besondere Eignung der Juden für geistige Berufe hält Friedenthal auch nicht für erwiesen. Ob er hierin nicht allzu schematisch verfährt? In der Tat muß sich, doch die Ueberlegenheit einer viele tausend Jahre älteren geistigen Schulung des Juden gegenüber der europäischen Bevölkerung irgendwie geltend machen, ganz so wie die europäische Bevölkerung ebensolche Unterschiede aufweist. Läßt sich der Durchschnittsfranzcse mit dem Durchschnittsrussen in geistiger Hinsicht auf eine Linie stellen? In Frankreich liegt eine mindestens 2500 Jahre (keltisch-römisch-französische) Kultur vor; in Rußland ist in dem Hauptteil erst durch die Zaren seit Peter dem Großen, also seit 250 Jahren, die Kultur eingezogen und hat noch nicht alle Volksschichten so durchdrungen wie. in Westeuropa. So ist auch das Verhältnis der Juden zu den meisten europäischen Völkern (Deutsche, Polen, Ungarn, Russen usw.). Der Durchschnitt der Juden muß aus geschichtlichen Gründen geistig höher stehen als der Durchschnitt der genannten Völker. Natürlich hat Prof. Friedenthal recht, wenn er diese größere geistige Begabung der Juden nicht als anthropologisch gegeben, also rassenhaft bedingt ansieht. Aber sie ist ein geschichtliches Ergebnis, das jede Rasse betreffen könnte, wenn bei ihr eine solche Kontinuität der geistigen Betätigung vorläge wie bei den Juden. Wenn Prof. Friedenthal am Schluß seiner Ausführungen der Auffassung entgegentritt, die Juden seien als Westasiaten ein europa-fremdes Element, so wird man ihm insofern beistimmen müssen, als grundsätzliche Verschiedenheiten im Hinblick auf die Rasse zwischen Europa, speziell Südeuropa und Westasien nicht bestehen. Was uns aber in Mittel- und Nordeuropa an den Juden auffällt, das ist die andersartige Mischung des „Populationsdurchschnitts", wie Friedenthal sich ausdrückt., Sie ergibt sich ohne weiteres aus der weitgehenden Inzucht, die das jüdische Volk seit undenklichen Zeiten ausgeübt hat. Die Folge davon ist die (unbewußte) Aufzucht von bestimmten Typen, die innerhalb der sonstigen Bevölkerung auffallen und zum Teil wohl auf die Urbestandteile des jüdischen Volkes zurückgehen. Nur daraus kann man die Uebereinstimmung im Typus einzelner Individuen erklären, die sich nicht nur bei eng zusammenwohnenden Schichten, sondern bei geographisch weit auseinander liegenden Gruppen von Juden finden. Freilich, wenn man „Rasse" in dem Anfangs dieses Aufsatzes zitierten, engbegrenzten Sinne von Prof. Friedenthal auffaßt, so wird es wohl nirgends mehr in den kultivierten Ge-

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