Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 1-2
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2650397-2650411-2650412--5450-2650848- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
hängt weder aHein von der Erbanlage noch von dem Knochengerüst und der Körper- rauskulatur ab, sondern geht ihre eigenen Wege. In ihr spiegeln sich Einflüsse der Umgebung und seelische Vorgänge wieder, die unabhängig von den letztgenannten Faktoren sind. Ein europäischer Gelehrter hat in den Gesichtszügen mehr Aehnlichkeit mit einem japanischen Standesgenossen, als mit dem gleichrassigen und gleichsprachigen Lastträger etwa. So prägt sich auch die jüdische Mentalität im jüdischen Gesicht aus. Wir wollen von Aeußerlichkeiten wie Bart- und Haartracht (Seitenlocken) dabei ganz absehen, obwohl sie zur Charakterisierung der facies judaica nicht wenig beitragen. Die Allgemeinheit beurteilt die Zugehörigkeit zur jüdischen „Rasse" ganz natürlich nach dem jüdischen „Gesicht" und viele naive Bej urteiler sind geradezu empört, wenn man ihnen das Bestehen einer besonderen jüdischen Rasse nicht zugibt, da man so vielen Juden doch ihre Rasse „ansehe". Nun unterscheidet sich der Jude vom Nordeuropäer allerdings nicht nur im Gesicht, sondern auch im Körperbau und ist auch daran kenntlich. Der Jude hat oft — nicht regelmäßig — einen langen und stämmigen Oberkörper bei kurzen Extremitäten, während der typische Nordeuropäer einen kurzen und schmalen Oberkörper und lange Extremitäten hat. Doch diese Verschieden-! heit fällt nur in Nordeuropa, nicht in Südj , europa oder im Orient auf, da hier der i gleiche untersetzte Typus häufig bei Nichtj juden vertreten ist. Es ist dies also ein Merkj mal, das nicht spezifisch jüdisch ist, aber \ doch in der anders gearteten Umgebung aufj fällt. Wenig Gewicht will ich auf die Körperhaltung mancher Juden legen, den gekrümmten Rücken, das Wiegen des Oberkörpers, die häufigen O-Beine, da dies keine \ rassenhaften, sondern durch äußere Umstände (gebücktes Sitzen, überlieferte Gewohnheit beim Beten, Rachitis infolge mangelhafter Ernährung usw.) erworbene Eigentümlichkeiten sind, die sich bei veränderter Lebensweise der Jugend sofort verlieren. Prof. Friedenthal hat also ganz Recht, wenn er sagt, daß eskein e jüdisch e n Rassenmerkmale, sondern nur für einzelne jüdische Bevölkert! ngendur chschnittlichkörperliche und geistige Vorzüge und Fehler gibt. Dahin gehören: die Nasenform — es gibt ebensoviele Juden mit gerader wie mit krummer Nase, nur fällt erstere weniger auf als letztere —; die Schädelform — ob lang-, mittel- oder kurzköpf ig; alle Varianten sind bei den Juden vertreten —; die Körpergröße, die bei den Juden ebensosehr schwankt wie bei der europäischen Bevölkerung. Aufgefallen ist mir bei F r i edenthals Ausführungen die Behauptung, daß durch das Studieren die Körperlänge größer wird als durch Landarbeit. Man sollte das umgekehrte Verhältnis annehmen, wenn bei letzterer keine Unterernährung oder schlechte Erbanlage vorliegt. In der Tat sind Juden, die sich seit Generationen durch körperliche Tätigkeit ernähren, weit größer und kräftiger als die vorwiegend geistig arbeitenden Juden. Man denke an die litauischen Fuhrleute, die Lastträger in Saloniki, Konstantinopel, Zypern usw., die zahlreichen Juden im Sportgewerbe (Boxen usw.). Wo sind die geistigen Arbeiter zu finden, die sich durch auffallende Körpergröße auszeichnen? Ich kenne nur vereinzelte Individuen, wie in allen Berufen, keine größere Zahl von Studierten, die durch ihre körperliche Entwicklung den Durchschnitt überträfen. Ob eines der besten anthropologischen Merkmale, die Haare nämlich, bei Juden so