Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 1-2
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2650397-2650411-2650412--5449-2650847- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
_ 8 - zen Grabes kein gut erhaltenes Schwarz! Sogar die Aegypter sind dann blond!-- Es gab also in Kanaan niemals „arische" Amoriter, wenn überhaupt die „Arier" (d. h. das hypothetische indogermanische Urvolk) durchweg blond und blauäugig waren, was niemand wissen kann. Es ist dies nicht einmal wahrscheinlich. Doch darüber kann ich hier nicht ausführlicher reden. Wohl kamen um die Mitte des zweiten Jahrtausends „Arier" nach Palästina, wie uns Namen von Stadtfürsten in den Tel-Amarna-Briefen (aus dem Archiv der Pharaone Amenophis III und IV) zeigen; aber wir wissen nicht, ob hinter diesen Dynasten auch größere Scharen von „Ariern" standen, die einen rassenhaften Einfluß auf die Bewohner Kanaans ausgeübt hätten. Und dann brauchen sie, wie schon betont, nicht blond und blauäugig gewesen zu sein. Mit den „arischen" Amoritern ist es also gar nichts, von teilweise arisch — wie Prof. Friedenthal zugibt — ist auch nicht zu reden. Die Amoriter sind ein einen semitischen Dialekt sprechendes Volk gewesen wie alle anderen Bewohner Syriens und Palästinas in historischer Zeit und haben sich auch rassenhaft, soweit die ägyptischen Darstellungen ein Urteil ermöglichen, nicht von ihnen unterschieden. Die blonden und blauäugigen Juden, die man heute in größerer Zahl in Osteuropa und Mitteleuropa, sonst nur sporadisch antrifft, stammen also nicht aus der Urzeit des jüdischen Volkes, sondern sind ihm, wie mehrere andere Rassentypen, später zugeflossen. Aus welcher Quelle? Das ist nicht sicher zu sagen. Vermutlich aber aus demjenigen Bevölkerungsteil der genannten Länder, der die gleichen körperlichen Merkmale aufweist. Prof. Friedenthal hat also I recht wenn er sagt: Es gibt kein europäisches Merkmal, welches den Juden fehlt, und keines, welches als charakteristisch bezeichnet werden könnte für Juden (krumme Nase z. B.). Ebenso muß man ihm beistimmen, wenn er die Festlegung eines bestimmten Schädelindex für die Juden ablehnt. Er schwankt bei der jüdischen Bevölkerung der Erde von extremer Langköpfigkeit bis zu extremer Kurzköpfigkeit und zwar ohne durchgehende Beziehung zu der anderweitigen Bevölkerung, unter der die Juden leben. Einzelne Fälle von Übereinstimmung finden sich, aber darauf lassen sich keine Schlüsse bauen. Wie die Kopfform, so schwankt auch die Körpergröße der Juden ganz erheblich und zwar in ein und demselben Lande. Neben der Erbanlage spielt hier die soziale Lage eine erhebliche Rolle, auch sonstige Umwelteinflüsse, die wir wissenschaftlich schwer fassen können. Jedermann kann zurzeit in vielen .jüdischen Familien beobachten, daß die Kinder größer werden wie die Eltern. Die bessere Ernährung oder die sportliche Betätigung bewirken das nicht allein; denn auch, wo einer der beiden Faktoren oder gar beide fehlen, finden sich solche Fälle. In diese Rubrik gehören auch die nicht seltenen Beispiele, daß Kinder von typisch jüdisch aussehenden Eltern dieses Merkmal nur noch schwach besitzen. Auch diese Fälle kann die tägliche Beobachtung leicht nachweisen. Und damit kommen wir zu einem Punkt, der in der sonst so dankenswerten Darstellung Prof. Friedenthals zu kurz gekommen ist: die facies judaica (das jüdische Gesicht). Diese ist es nämlich, die meist mit jüdischer Rasse verwechselt wird. Aber die Entwicklung der Weichteile des Gesichtes