Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 1-2
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 7 — selbst in rassiger Hinsicht zusammen? — gelten; doch die Wahrscheinlichkeit eines solchen Zufalls ist so gut wie Null. Nun gibt es Darstellungen (z. B. auch in Günthers Rassenkunde des Deutschen Volkes), wo die Juden als Rasse „zweiter Ordnung" aufgefaßt werden, d. h. aus der Mischung mehrerer Rassen sei durch Inzucht j eine neue jüdische Rasse entstanden. Auch diese „bescheidene" Ansicht von der „Rassigkeit" des jüdischen Volkes möchte Prof. Friedenthal auf Grund der anthropologischen Betrachtung der heute lebenden Juden verneinen. Die europäischen Juden sind so verschieden voneinander wie die Mitteleuropäer untereinander überhaupt. Sie gehören aber sämtlich der weißen Rasse an, und nur ein Teil der heutigen Juden zeigt die Merkmale, welche z. B. als Rassenmerkmale der Semiten aufgestellt werden. Weiter kommt Friedenthal auf die Komponenten des jüdischen Volkes in alter Zeit zu sprechen: Semiten, Hettiter und Amoriter (nach F. v. Luschans Theorie vom Jahre 1892 .... später aufgegeben). Eigentlich ist das ein Widerspruch zu seiner anfänglichen Annahme, daß es nie eine jüdische Rasse gegeben habe. Denn, wenn das der Fall war, so hat es auch keinen Zweck, ihren Komponenten nachzuspüren. Außerdem lehnt Friedenthal nicht mit der nötigen Entschiedenheit die „arischen" Amoriter ab. Sie sind ja eigentlich nur erfunden worden, um das hellfarbige Element bei den heutigen europäischen Juden zu erklären. Es wird dabei vorausgesetzt, daß es auch im alten Palästina schon blonde und blauäugige Juden gegeben habe. Darüber wissen wir aber nichts. Wohl aber wissen wir, daß die Amoriter ein Volk semitischer Sprache wie die Phönizier, Moabiter, Edomiter, Kanaanäer usw. waren. Sie gehören einer älteren Einwanderungsschicht wie die Hebräer an. Die Gestalten von Amoritern, die man auf ägyptischen Reliefs findet — z. B. in Medinet Habu ein Amoriter neben einem Hettiter —-1) zeigen genau den semitischen Typus wie die anderen Bewohner Syriens und Palästinas. Die Annahme, die Aegypter hätten die Amoriter blauäugig und blond- | haarig dargestellt, geht auf ungenaue Beobachtung älterer Zeichner zurück. Dr. Max Burchardt, der Leiter der in Anm. 1 erwähnten Expedition schrieb mir kurz nach seiner Rückkehr aus Aegypten darüber folgendes: Ich arbeite seit Jahren an einer Kulturgeschichte der Semiten nach ägyptischen Quellen. Die alten Publikationen von Champol 1 i o n, R o s e 11 i n i, sogar einmal die von Lepsius zeigen Semiten mit blauen Augen. Ich habe während meiner Arbeit im vergangenen Winter gerade auf diese Erscheinung mein Augenmerk gelenkt und festgestellt, daß alle diese blauäugigen Semiten, soweit ich die Originale noch erhalten fand, auf Irrtümern der alten Zeichner beruhen! Die Augen sind hellbraun bis schwarzbraun. Ebenso sind die Haare der Semiten nie blond, sondern stets schwarz bis dunkelbraun, ebenso der Bart. Der Bart hat zuweilen einen Stich ins rötliche. Das Märchen vom blonden Semiten geht auf ungenaue Beobachtung zurück. Viele ägyptische Maler untermalen nämlich das Schwarz mit Gelb. Dieses Gelb läßt aber die darauf liegende Farbe leicht abblättern. Und wenn in irgendeinem Grabe Semiten mit gelbblonden oder aschblonden Haaren vorhanden sind, so findet sich in den Malereien des gan- *) Ed. Meyer, Bericht über eine Expedition nach Aegypten zur Erforschung der Darstellungen der Fremdvölker. Sitzungsber. Berl. Akad. der Wiss. 1913 S. 793 (Nr. 300).