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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1927-01-01 · Heft 1-2 · p. Seite 5

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1927) (Neue Folge)
Issue
Heft 1-2
Date
1927-01-01
Page
Seite 5 (sequence 6)
Language
German
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— 5 — zur Erblindung führt. Die Ursache dieser etwas mysteriösen Erkrankung ist auch heute noch trotz aller eingehenden Studien nur wenig geklärt. Die aufgestellten Theorien haben völlig versagt. Es darf daher darauf hingewiesen werden, daß es dem Verfasser dieses Aufsatzes auf Grund anatomischer Untersuchungen gelungen ist, den Nachweis zu führen, daß für die Entstehung des Glaucoms in erster Linie eine Verstopfung der Abflußwege des Auges durch die zertrümmerten Pigmentepitelien bestimmter Teile des vorderen Auges in Frage kommt. Dieser Nachweis ist durch die Untersuchung Kopp es am lebenden Auge vermittelst der Spaltlampe und des Hornhautmikroskops bestätigt worden. Da nun die jüdische Rasse im allgemeinen durch einen stärkeren Pigmentreichtum ausgezeichnet ist, kann mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit gefolgert werden, daß indemvermehrten Pigmentgehalt der jüdischen Bevölkerung die Ursache für das häufigere Auftreten des Glaucoms bei dieser zu suchen ist. Wir wissen ferner, daß Gemütsbewegungen bei der Auslösung des Glaucoms eine wichtige Rolle spielen. Da psychische Affekte bei Juden aus bekannten Gründen häufiger sind, als bei der übrigen Bevölkerung, so scheint hier ein zweites, wenn auch nur Gelegenheitsmoment gegeben zu sein, welches das häufige Vorkommen bei den Juden plausibel macht. Bezüglich der Kurzsichtigkeit gehen die Ansichten der Autoren über das Vorkommen dieser Refraktionsanomalie bei den Juden auseinander. Während Nicati in den Marseiller jüdischen Schulen den Prozentsatz an Kurzsichtigen gegenüber den christlichen Schulen erheblich vermehrt fand, haben andere Autoren das Gegenteil gefunden. Nach meinen eigenen Erfahrungen neigen die Juden mehr zur Entstehung der Kurzsichtigkeit, alsdiechristlicheBevölkerung. Um diese etwas auffallende Erscheinung verständlich zu machen, ist es wiederum nötig, auf die Genese der Myopie kurz einzugehen. Dabei muß zunächst betont werden, daß die Kurzsichtigkeit die einzige Brechungsanomalie des Auges darstellt, welche fast immer erworben wird, während die übrigen Refraktionsanomalien in der Regel angeboren sind. Als einzig feststehende Tatsache in der übergroßen Litteratur, welche sich seit mehr als 50 Jahren intensiv mit der F r a g e der Myopiegenese beschäftigt, resultiert der Nachweis, daß die Kurzsichtigkeit im innigsten Zusammenhang mit der Naharbeit steht, daß sie sich in der Schule von Klasse zu Klasse vermehrt und an Größe zunimmt, und daß sie hauptsächlich in den Berufen beobachtet wird, welche an die Naharbeit größere Anforderungen stellen. Der Schluß aber, den die meisten Autoren aus diesem Faktum gezogen haben, daß nämlich das Auge durch Muskeltätigkeit bei der Naharbeit unter erhöhten Druck gesetzt und langsam gedehnt wird — denn Kurzsichtigkeit ist in der großen Mehrzahl der Fälle identisch mit Dehnung des Auges — hat sich als falsch erwiesen. Denn einmal wird, was experimentell sicher gestellt ist, durch die Augenmuskeln bei der Naharbeit ein vermehrter Druck nicht erzeugt, und dann sind die Veränderungen des kurzsichtigen Auges von denjenigen, welche durch Druckvermehrung hervorgerufen werden, grundverschieden. Dem Verfasser dieser Zeilen ist es nun gelungen, die wahre Ursache der Ent-

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