Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 1-2
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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restierenden 5 Blinden waren je einer ein Russe, ein Grieche und 3 Armenier. Der außerordentliche Gegensatz, den diese Statistik zwischen Juden und Arabern scharf hervortreten läßt, beweist natürlich nicht, daß die Juden weniger empfänglich für die zur Erblindung führende Infektion der Augen sind, als die Araber. Er ist auch nicht darauf zurückzuführen, daß die jüdische Bevölkerung Palästinas in Bezug auf wirtschaftliche Verhältnisse im Großen Ganzen der arabischen Bevölkerung erheblich überlegen ist. Denn man dürfte wohl kaum fehl gehen, wenn man annimmt, daß bei der das Ambulatorium besuchenden Bevölkerung Juden und Araber unter gleichen oder wenigstens ähnlichen schwierigen Existenzbedingungen leben. Der relativ geringe Prozentsatz an Erblindungen bei den Juden Palästinas scheint mir ein einwandsfreier Beweis dafür zusein, daß diese sich durch größere Reinlichkeit, durch erhöhte Einsicht und vor allem durch größere Aktivität im Falle der Erkrankung vor den Arabern vorteilhaft auszeichnet. So kommt es, daß die Juden viel früher und häufiger den Arzt konsultieren, durch geeignete Maßnahmen die Heilung des ausgebrochenen Leidens anstreben und die drohende Erblindung bekämpfen, während die gleiche Erkrankung bei den Arabern infolge mangelnder Reinlichkeit und größerer Indifferenz der Bevölkerung, die auf einer angeborenen fatalistischen Lebensauffassung beruht, rapide Fortschritte macht und den Verlust des Sehorgans herbeiführt. Trotzdem im Großen und Ganzen eine besondere Empfänglichkeit der Juden für Augenerkrankungen abgelehnt werden muß und das Auftreten bestimmter Augenaffektion weniger durch Rasseeigentümlichkeiten als durch das Milieu zu deuten ist, in welchem die Juden leben, gibt es doch einige Augenerkrankungen, bei denen die Beziehungen zum Judentum einen etwas innigeren Charakter aufweisen. Wenn man von den seltenen Augenerkrankungen Abstand nimmt, als deren wesentliche Ursache die gerade bei den Juden häufiger in Erscheinung tretende Inzucht angesehen werden muß, also z. B. der Netzhautdegeneration (Retinitispigmentosa), so gibt es z w e i Augenerkrankungen, die nach der Auffassung vieler Autoren von jeher bei den Juden in relativ größerer Verbreitung als bei der nichtjüdischen Bevölkerung angetroffenwerden. Das sind der g r ü n e Star (Glaucom) und die Kurzsichtigkeit (Myopie). Was das Glaucom anbetrifft, so haben Benedict und Rosas zuerst die Aufmerksamkeit darauf irelenkt, daß dieses besonders häufig bei Juden vorkommt. Andere Autoren haben das zunächst bestritten. Aber gerade in jüngerer Zeit ist das häufigere Vorkommen von Glaucom bei Juden, namentlich durch die Arbeiten von Fuchs und Mandelstamm als eine gesicherte Tatsache bewiesen worden. Wagner stellte in Odessa bei einem Material von 1227 Glaucomfällen das Vorkommen dieser Erkrankung 542 mal bei Christen und 685 mal bei Juden fest. Auch nach meinen eigenen Erfahrungen dürfte an der Tatsache des häufigeren Vorkommens des Glaucoms bei Juden ein Zweifel kaum möglich sein. Zum Verständnis dieser sehr merkwürdigen Tatsache dürfte es zweckmäßig erscheinen, mit wenigen Worten auf das Wesen des Glaucoms einzugehen. Unter dem grünen Star versteht man eine ziemlich häufige Erkrankung, welche durch mehr oder weniger starke Zunahme des Druckes im Augeninnern die Funktion des Sehorjgans außerordentlich gefährdet und nicht selten