Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 1-2
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 3 - Harze Bemerhaogen Ober Aogeohraohbeiteo bei Joden. Von Dr. G. L e v i n s o h n, a. o. Prof. der Augenheilkunde an der Universität Berlin. Gibt es jüdische Augenkrankheiten, d. h. gibt es Augenkrankheiten, die ausschließlich oder wenigstens vorzugsweise bei Juden vorkommen? Diese Frage kann mit einem glatten Nein beantwortet werden. Wenn in manchen Ländern resp. Gegenden Deutschlands das Auftreten von Augenkrankheiten bei Juden besonders häufig beobachtet wird, so liegt die Ursache in der Regel nicht daran, daß die Juden für die betreffende Erkrankung eine besondere Eignung besitzen, sondern an dem Milieu, in welchem sie leben oder zu leben gezwungen sind. Die ungünstigen hygienischen Verhältnisse, die erhöhte Ansteckungsgefahr, der Genius loci, an dem die Juden leben, geben eine eindeutige Erklärung für die relativ große Anzahl der jüdischen Augenaffektionen. In der Regel liegt die Sache dann so, daß der Prozentsatz an Augenerkrankungen bei der nichtjüdischen Bevölkerung durchaus keine kleineren Zahlen aufweist. Ja, man kann fast stets die Beobachtung machen, daß bei dem durch die ungünstigen Verhältnisse bedingten starken Anschwellen der Augenerkrankungen in bestimmten Ländern die Juden relativ seltener an den Augen erkranken, als ihre Mitbewohner. Sehr anschaulich wird dieses Verhalten illustiert durch eine vor wenigen Wochen erschienene Statistik, welche Dr. A. Tic ho über die Ursachen der Erblindung in Palästina aus dem Englischen Ophthalmic-Hospital in Jerusalem herausgebracht hat. Diese Statistik umfaßt unter 17 804 ambulanten Patienten 2014 auf beiden Augen erblindete, von denen 47,07 % infolge von Hornhauterkrankungen und 26,7 % durch Trachom (sogen, ägyptische Augenentzündung) erblindet waren. Die Häufigkeit der Erblindungen durch äußere Augenkrankheiten ist ein typisches Zeichen für die hygienisch ungünstigen Verhältnisse, die insbesondere für das Sehorgan in Palästina existieren. Einmal ist es der Trachomerreger, welcher in Palästina in ähnlicher Weise wie in Aegypten einen äußerst günstigen Nährboden findet und daher leicht übertragbar ist. Dann ist es der Mangel an Sauberkeit, der die Uebertragbarkeit überaus begünstigt und demgemäß die äußeren der. Infektion leicht zugänglichen vorderen Abschnitte des Auges, also die Bindehaut und Hornhaut stark gefährdet. Demgemäß überwiegt auch der Prozentsatz an Erblindungen in diesen Ländern erheblich denjenigen anderer Länder. Während z. B. in Aegypten, wo die Verhältnisse bezüglich der Erblindungen denjenigen in Palästina fast gleich kommen, vielleicht noch um ein geringes schlechter sind, nach MacCallanim Jahre 1917 auf 100 Einwohner 4,35 einseitig oder doppelseitig Blinde kommen, hatte England noch im Jahre 1888 nur 9,5 auf 10 000, die Vereinigten Staaten 8,0/000, Deutschland im Jahre 1880 8,7 0/000 und Holland das blindenärmste Land 4,5 0/000. Was nun hier besonders interessiert, ist das Verhältnis, in welchem die jüdische Bevölkerung zu der arabischen an der Statistik beteiligt war. Ticho stellte fest, daß die Hauptmasse der das Ambulatorium besuchenden Patienten Juden waren und zwar in der Höhe von 54 %. Trotzdem betrug die Zahl der auf beiden Augen erblindeten Juden nur 81, d. h. 8,04 %, während die Araber einen unverhältnismäßig höheren Prozentsatz an Erblindungen aufwiesen, nämlich von 91,36 % (921 Fälle). Von den noch