Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1926) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 4-6
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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— 59 — jedem Hause herumfragen, welcher Konfession die einzelnen Hausbewohner angehören. Auch im bürgerlichen Recht und dem Strafrecht kommt die Frage der Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft sehr oft in Betracht. Es dürfte ja allerdings ein Anlass für das Verbot der Fragestellung dann gegeben sein, wenn es sich um die Ausschreibung einer Stelle handelt, damit der Bewerber nicht vielleicht durch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religionsgemeinschaft einen Nachteil habe. Aber schon, um festzustellen, ob der Grundsatz der paritätischen Besetzung der Staatsstelle auch richtig durchgeführt ist, muß ein solches Fragerecht, ohne daß davon Rechte und Pflichten abhängen, gestattet sein." So geschah es, daß dieVerfassung für die Konfessionsstatistik sich ausspricht. Daß die verschiedenen statistischen Aemter der Länder und Städte hiervon Gebrauch machen, ist bekannt. Doch, wie vor dem Kriege, so entbehrt auch heutigen Tages gerade diese Statistik einer einheitlichen Bearbeitung, was die Beschäftigung mit der Konfessionsstatistik erschwert. Es sollten einmal bestimmte Richtlinien von einer Zentralstelle ausgearbeitet werden, damit man einwandfrei und vor allem lückenlos für ganz Deutschland die charakteristischen Unterschiede, die sich im Laufe der Zeit zwischen Protestanten und Katholiken in manchen deutschen Landesteilen entwickelt haben und zwischen Christen und Juden in der Tat bestehen, zahlenmäßig zu erfassen in der Lage ist. (Siehe den Aufsatz von H.A. Krose in D.St.Z., 13. Jahrgang Heft 5/6 Mai/Juli 1921.) Vorbildlich wirkt Hessen mit seiner Konfessionsstatistik. Die Hessische Zentralstelle für Landesstatistik gehört zu den statistischen Aemtern, die eine sorgfältige Pflege dieser Statistik betreiben, was eine besondere Anerkennung verdient. Der frühere Direktor dieses Amtes, K n ö p f e 1, äußert sich folgendermaßen über die jüdische Konfessionsstatistik: Das hessische Amt nimmt seit einer Reihe von Jahren ausführliche Auszählungen über die Bewegung der jüdischen Bevölkerung vor, da gerade bei ihr als einer mit charakteristischen Eigenschaften ausgestatteten Bevölkerungsgruppe wichtige Erscheinungen zu Tage treten, die bei der Auszählung der Gesamtbevölkerung verwischt werden. Der Wert dieser Statistik der Juden liegt besonders darin, daß sich bei der jüdischen Bevölkerung die die Bewegung der Bevölkerung beeinflussenden Zeitverhältnisse viel rascher bemerkbar machen, als bei der Gesamtbevölkerung, und daß deshalb die Juden gewissermaßen das Barometer für die übrige Bevölkerung sind und Zustände schon jetzt zeigen, die bei jenen erst in Zukunft zu erwarten sind. Die Wissenschaft kann aus einer so energischen Konzentration des Studiums statistischer Massenbeobachtungen auf eine spezielle, genau abgegrenzte, statistischer Erfassung deshalb gut zugängliche soziale Schicht nur den größten Nutzen ziehen.