Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1926) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 4-6
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2650397-2650406-2650408--5360-2650822- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 56 — 25—30 jährige wurden 437 Väter ermittelt, also 20—30 jährige insgesamt 528. Von 30—35 jährigen treffen wir dagegen immerhin 617 und darüber hinaus 35—40 jährige 500 und über 400 in Jahrfristen 233 respektive 92,22, 5,5. Von den ausgezählten 2007 Vätern war also V« unter 30 Jahren. Wir verfügen leider über keine Statistiken aus früheren Zeiten, um die Zeit der Vaterschaft aus anderen Jahrhunderten festzustellen. Nach unserer Beurteilung dürfte die Vaterschaft bis zum 30. Jahre früher die Regel gewesen sein, während sie jetzt eine Seltenheit ist. Wenn ursprünglich der Eheschließung die Konzeption folgte, so fern nicht anatomische Ursachen die Schwängerung ausschlössen, tritt jetzt auch in der Ehe eine bewußte Geburtenverhütung ein, über die wir aber kein statistisches Material besitzen. Eingehend ist über die Geburten bei den Juden überhaupt noch nirgends gearbeitet worden. Fast nur die nichts oder wenig sagenden rohen Promille-Berechnungen liegen vor, die bei Entwicklungsvorgängen in der Geburtlich keit nur mit größter Vorsicht zu gebrauchen sind. Nach dem Krieg hat die Erfassung der Geburtenvorgänge bei den Juden der Welt fast aufgehört. Unter den verschiedenen Einflüssen, denen die Geburten unterliegen, ist natürlich vor allem die wirtschaftliche Lage der Eltern, die sich bei meinem Material nur ganz roh nach Berufsklassen ermitteln ließ. Eine Auszählung der Berufe des Vaters ergab eine Beteiligung der akademischen Berufe von zirka 10%, die Hauptanzahl stellten die im Handel beschäftigten, von denen etwa 40% selbständig waren, ein Prozentsatz, der auch bei den Handwerkern wiederkehrt. Die wirtschaftlich Schwächeren kommen wohl weniger zur Ehe oder zur Vermehrung. Die Tabelle der Geborenen nach dem Beruf ist folgende (1921): s g " in Handwerk, Gewerbe, Selbständige . . 141 20 Angestellte . . 345 -65^ Handel, Selbständige........ 550 67 * Angestellte........ 827 104 Arbeiter............ 19 13 Beamte u. Lehrer......... 42 17 Aerzte, Anwälte, freie Berufe..... 217 36 Sonstige Berufe und ohne Beruf .... 29 5 Auffallend stark ist hier die Mischehe unter den Arbeitern vertreten. Neben 19 Kindern aus jüdischen Ehen wurden 13 in Mischehen ermittelt, die Fortpflanzung des jüdischen Proletariers erfolgt also fast ebenso sehr in Mischehen als in rein jüdischen Ehen, der jüdische Arbeiter hat sich als erster von dem Einfluß des Judentums in seinem Sexualleben frei gemacht. Bei den im Handel tätigen Juden dagegen ist das Verhältnis, die Zahl der Kinder aus Mischehen nur 12,5%. der Handel bildet anscheinend eine das Judentum konservierende Schicht, eine Annahme, die sich auch aus der Erfahrung des täglichen Lebens ergibt. — Entprechend der jüdischen Einstellung aus dem Mittelalter her erscheint die Erforschung sozialhygienischer Fragen noch nicht bedeutsam. Neben einer Flut von Arbeiten, die allen möglichen historischen Vorgängen, längst verschollenen Schriften und vermoderten mehr oder weniger bedeutsamen Personen früherer Zeiten gelten, verschwindet die Anzahl der Untersuchungen, die die Erscheinungen aufhellen, die unser: Leben regeln. Aus einem gewissen romanitischen Empfinden heraus wird das gegenwärtige Geschehene nicht als bedeutsam empfunden. Das ursprünglich enorme Verständnis und das seinerzeit und der Mitwelt weit vorausgreifende Interesse der Juden an der Sozialhygiene hat aus verschiedenen Gründen keine Renaissancezeit gefunden.-