Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1926) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 4-6
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2650397-2650406-2650408--5357-2650819- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 53 - 1910 1923 1. Geburt 32 32,5 2. Geburt 33,1 34 3. Geburt 34,4 35 4. Geburt 34,6 36 5. Geburt 39 40 Zwischen Mann und Frau besteht der Unterschied des Alters bei der Geburt des Kindes in ungefähr 5—6 Jahren, die Jüdin bekommt ihr erstes Kind mit dem 27. Lebensjahr, der Jude mit 32,5, wie alt der Jude vor 100 Jahren war, ist statistisch leider nicht festgelegt. Wir können aber auf Grund der Berichte aus früheren Zeiten annehmen, daß die Fruchtbarkeit fast um ein Jahrzehnt später eintritt. Die Fortpflanzungstätigkeit setzt bei der von mir erfaßten Bevölkerung bis 30 % aller Frauen, die überhaupt zum erstenmal Kinder bekamen, erst nach dem 30. Jahre ein! In der Medizin gilt die erste Schwangerschaft nach dem Ende der zwanziger Jahre als unvorteilhafter Prozeß, die Natur sieht die Schwängerung vordem vor. Die Zeit nach dem 30. Jahre ist zur ersten Schwangerschaft unvorteilhaft, gleichwohl zählen wir schon jetzt fast Ys überaltete Erstgebärende. Man muß zu unserm Material bemerken, daß die Einwanderung ostjüdischer Elemente viele Menschen nach Berlin brachte, die sich * so rasch nicht den Berliner Sitten anschlössen. Ohne diese Immigration würden eine Reihe wichtiger Entwicklungen noch stärker und unverhüllter zu Tage treten. Die Religiosität und Primitivität vieler Ostjuden oder aus der Kleinstadt zugeströmter deutscher Juden begünstigen Heiratslust und den Zeugungswillen, während eine Generation später erfahrungsgemäß auch in den Kreisen ihrer Kinder die allgemeinen Verhältnisse angetroffen werden.- Weil sich so neue Elemente an die Allgemeinheit erst gewissermaßen akklimatisieren müssen, weil andere Teile den Nutzen des Neormalthusianismus erst langsam und im zweiten Geschlecht herausfinden, können wir die Entwicklung als noch lange nicht abgeschlossen betrachten. Die durch die Verschärfung der wirtschaftlichen Lage eingetretenen Veränderungen nach den Jahren 1922 und 1923 müssen sich in der Statistik noch auswirken. Sie dürften die Tendenzen zur Kinderbeschränkung mit allen ihren Begleiterscheinungen noch verstärken und in den Schatten stellen. Der Zerfall der Fruchtbarkeit tritt bei den deutschen Juden infolge der Zuwanderung von Ostjuden nicht so ganz deutlich in Erscheinung. Die Ostjuden wohnen zwar in der ganzen Stadt, die orthodoxen Teile vor allem im Bezirk Berlin-Mitte, wo sie mit den Zuwanderungen aus Posen das Hauptkontingent der jüdischen Bevölkerung stellen. Das lehren auch die Ziffern der Geburten aus jüdischen Ehen in den Jahren 1922 u. 1923, wenn wir die einzelnen Verwaltungsbezirke gegenüberstellen. Es wurden Geburten angetroffen: * -2 -S 1« im Verwaltungsbezirk S, g ^.2* 2 * c .S j> tu n o >* a) des Westens (Charloltenburg, Wilmersdorf, Schöneberg, Steglitz, Zehlendorf,Tiergart.) 1225 574 99 34 b) Außenbezirk des alten Berlin (Wedding, Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Kreuzberg, Neukölln)....... 541 298 86 65 c) Bezirk Mitte...... 458 295 106 118. Die Unterschiede sind so handgreiflich, daß wir auf Gegenüberstellungen von Prozentsätzen verzichten können. Die religiös besonders eingestellten Kreise, die den Bezirk