Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1926) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 4-6
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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- 51 - zum Einkindersystem und wie sich bei der die Juden umgebenden nichtjüdischen Bevölkerung in Berlin zur Kinderlosigkeit zu gelangen. Ich habe an anderer Stelle nachgewiesen, daß für Berlin überhaupt heute mit 50—60% kinderlosen Ehen zu rechnen ist.'-) Diese Erscheinungen werden uns bald vor die Aufgabe stellen, dieses Gebiet der Sozialhygienevielmehr als bisher zu berücksichtigen. Nun erhebt sich stets die Frage, ob die Geburtenbeschränkung noch weiter ihren Fortgang nehmen wird. In anderen Arbeiten habe ich auf die Bedeutung der Kinderarmut in den Mischehen hingewiesen. Es gibt bekanntlich eine Anschauung, wonach die Entwicklung in Wellenform vor sich geht, also so, daß auf eine Zeit der Geburtenminderung ein Anstieg käme. Anderen wieder erscheint die Zahl der momentan ermittelten Geburten als eine auch für die Dauer gültige Ziffer, ohne Rücksicht auf Entwicklungsänderungen, die sich noch nicht voll auswirkten. Aus allen diesen Gründen ist die Uebersicht über die Geburtenfrage in Mischehen wichtig. Wir finden jüdische Eheschließende mit Nichtjuden: 1921 1922 1923 jüd. Frauen .... 309 298 261 jüd. Männer . . . . 405 574 585 zus. 714 872 846 Demgegenüber finden wir Lebendgeborene von jüd. Vater nnd von jüd. Mutter und zus. nichtjüd. Mutter nichtjüd. Vater 1922 ... 188 123 311 1923 ... 196 127 323 Es kamen also auf 714 resp. 872 Eheschließungen (der Jahre 1921 u. 1922) nur 311 resp. 323 Kinder in den darauffolgenden Jahren 1922 und 1923, so daß den 1586 *) Die Anzahl der Berliner Eheschließungen überhaupt waren 1921, 1922, 1923: 45138 resp. 47685 resp. 41519 und die ehelich Erstgeborenen 21154 resp. 18539. Heiratenden nur 634 Kinder entsprachen. Diese verteilten sich wiederum in folgender Weise S i a <n *> . 43 . a « ä •> OJ3 & j> ä -Sag S II ä 2 St | sS § Sj 2 % 1 | 3 OS W N Q > buO n 1921 .... 714 — — — — — - 1922 .... 872 181 81 26 10 14 311 1923 .... 846 217 73 21 7 5 323 Wir erkennen damit folgendes Bild: Auf 100 geschlossene Mischehen des Vorjahres kamen 1923 je 25 Erstgeborene, 8 Zweitgeborene, 2,5 Drittgeborene, und die Geborenen selbst lassen sich folgendermaßen zergliedern, in Erstgeborene 67, Zweitgeborene 22,5, Drittgeborene 6,3, Viertgeborene 2,2, Fünftusw. Geborene 2 auf je 100 Geborene überhaupt. Diese Gegenüberstellung zeigt, daß von 100 Mischehen durchschnittlich nur jede vierte überhaupt Kinder bekommt, eine Ziffer, die wohl in der Bevölkerungsstatistik bisher für eine Klasse noch nicht beobachtet wurde, ferner bekommt nur noch jede 10. Familie ein zweites Kind. Nach roher Berechnung kommt nach diesen Ziffern 0,4 Kind auf jede Mischehe. Nach meinen Berechnungen kamen in Preußen 1901 noch 1,7 Kinder auf die Mischehe, 1907 : 1,1. 1910 wurden auf 2147 in Berlin festgestellten Mischehen 2418 lebende 1,1 Kinder ermittelt, also gerade ein Kind pro Ehe (oder das konsequent durchgeführte Einkindersystem). Jetzt geht die Entwicklung schon weit darüber hinaus. Die Mischehe ist nicht mehr Familien bildend, sie dient nicht mehr der Aufzucht von Nachwuchs, nur bei xk findet sich ein Kind, bei dem 10. Teil ein zweites. Die Gründe für diese Erscheinung sind natürlich keine biologischen. Es sind weder Rassengegensätze, noch venerische Ver- I seuchungen oder sonstige äußere Umstände,