Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1926) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 4-6
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- - 49 — rayone und hier vom flachen Land in die Städte trieben, vermehrt wurde, führte zu einem ökonomischen, physischen und hygienischen Elend, das seine letzten Auswirkungen bis in das Gebiet der Moral gefunden hat. Das Mittelalter mit seinen scheinbar natürlichen Ventilen, mit verheerenden Seuchen (Pest, Cholera, Pocken, Flecktyphus, Typhus usw.), mit Hungersnöten, von denen wir nur in den wenigsten Geschichswerken zu lesen bekommen, von Kriegen, Massacres, Verbrennungen und Tötungen aller Art und aus allen möglichen Gründen bedurfte einer fast grenzenlosen, kaninchenhaften Vermehrung. Die Kultur unserer Zeit verlangt von den Eltern für ihre Kinder immer größere wirtschaftliche und ideelle Opfer. Die Beschränkung der Kinderarbeit, die kostspielige Ausbildung selbst für einfache Berufe, die bessere Kleidung, Wohnung, Beköstigung usw., nimmt den Eltern die Möglichkeit, in den Kindern eine frühe wirtschaftliche Stütze zu finden und belädt sie mit einer immer steigenden finanziellen Last, wozu die übrigen Nachteile häufiger Schwangerschaften für die Eltern, besonders für die Mütter, treten. Die Rationalisierung des Lebens hat haher die Sexualsphäre ergriffen und die fortschreitende Technik liefert die Möglichkeiten, den Vorgang der Zeugung von dem Zufall freizumachen und vom Willen unabhängig zu machen. Haben wir gerade die fast überwältigende Geburtenvermehrung in Rußland in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts kennen gelernt, so werden wir umgekehrt die erstaunliche Untergebürtigkeit der deutschen Juden im 20. Jahrhundert beobachten müssen. Die folgenden neuesten Zahlen betreffen zwar nur die Berliner Juden, die aber an sich schon über die Hälfte der preußischen Juden und ein Drittel der deutschen ausmachen. Außerdem weichen die Verhältnisse der deutschen Juden von denen in Berlin nicht sonderlich ab. Die jüdische Bevölkerung hat sich hauptsächlich in Städten und Großstädten zusammengedrängt, Einzeluntersuchungen ergeben für andere Orte ähnliche Verhältnisse wie in Berlin. Man kann also die Ergebnisse für Berlin als symptomatische würdigen, die übrigens auch für die Umwelt an Bedeutung gewinnen, da nach den bisherigen Erfahrungen die gesamte Bevölkerung langsamer, aber in derselben Tendenz den Entwicklungen, welche das Geburtenproblem bei den Juden nahm, nachzieht. Die Geburten, die wir zu berücksichtigen haben, entstammen jüdischen Ehen, Jüdinnen, die mit Nichtjuden verheiratet sind und unehelichen Müttern.' Es ergeben sich folgende Ziffern: Es waren lebend Geborene: 1921 1922 1923 in rein jüdischen Ehen . 2166 2007 2035 jüd. Mütter in Mischehen 292 123 127 uneheliche Mütter . . . 165 148 187 2623 2278 2349 Da wir zurzeit die absolute Zahl der Juden in Berlin nicht kennen, müssen wir auf eine Beziehung zu je 1000 der Bevölkerung ververzichten. Man schätzt zwar die jüdische Gemeinde auf etwa 225000, besitzt aber dafür keine exakten Unterlagen. Es dürften darnach etwa die Geburten 10^ ausmachen, eine unerhört niedrige Ziffer. Nun besitzen wir aber in der von mir vorgenommenen Auszählung der Geborenen nach der Geburtenfolge eine überaus wichtige Quelle für die Betrachtung der Probleme. Es waren ehelich Geborene rein jüdischer Ehen nach der Geburtenfolge: . 2 3 4 K 5 i n 6 d < 7 r 8 9 110 u. mehr || | unbestimmt || 3 a a ä 1922 1923 1131 1165 600 613 148! 66 152|53 29 25 22 9 13 6 •«»CO | 1 2 2 1 2 5 2007 2035