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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1926-01-01 · Heft 4-6 · p. Seite 48

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1926) (Neue Folge)
Issue
Heft 4-6
Date
1926-01-01
Page
Seite 48 (sequence 9)
Language
German
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— 48 — n e n. D i e Wa h r s ch e i n 1 i c h k e i t, daß ein solcher Fall jemals eintritt, ist, wenn wir streng verfahren, von Null so gut wie gar nicht verschieden. Wir begnügen uns aber in der Rassenforschung und Ethnologie meist mit einer viel geringeren Aehnlichkeit und so möchte Verfasser nicht leugnen, daß es möglich wäre, wenn wir Bescheid über die erblichen also rassigen Eigenschaften des vermuteten Patriarchenpaares wüßten, von dem die Juden ursprünglich abstammen sollen, aus den heutigen Bruchstücken des Erbgutes wieder reinrassiges Patriarchenerbgut zusammenzustellen. Es würde aber dazu ein Verfahren gehören, wie es die Tier- und Pflanzenzüchter anwenden, daß nämlich alle Individuen mit abweichendem Erbgut aus der Nachzucht ausgeschaltet und immer nur die dem Züchtungs- Ziele ähnlichsten Individuen zur Nachzucht Verwendung finden. Es leuchtet ein, daß diese Forderungen unter den heutigen Familienverhältnissen unerfüllbar sind und daher eine Neuschaffung einer einheitlichen jüdischen Rasse im strengen Rassensinne als völlige Unmöglichkeit erscheint. Wir wissen weder über die erstliche körperliche Beschaffenheit der Juden in ältester Zeit Bescheid, noch haben wir die Möglichkeit der Auswahl des passenden Erbgutes. Es würde sogar auch noch fraglich erscheinen, ob uns die Erreichung des beschriebenen Zieles lohnend erscheinen würde, wenn wir die Dinge vernünftig betrachten. Es erscheint doch eine viel lohnendere Aufgabe, die vernünftigsten Menschen in der Zukunft planmäßig zu erzeugen als gerade einen fast sagenhaften Patriarchentypus, über dessen Vernünftigkeit wir so wenig sichere Kenntnis besitzen. (Schluß folgt.) Bevöikerungsvorgänge bei den Berliner Juden. Von Dr. Felix A. Theilhaber, Berlin-Wilmersdorf. Grotjahn hat 1914 in einem Buch den Geburtenrückgang und die Geburtenregelung im Lichte der individuellen und der sozialen Hygiene dargestellt. Schon der viel umstrittene Malthus hat als erster Zusammenhänge zwischen Geburtenhäufigkeit und sozialer Misere, zwischen sozialhygienischen destruktiven Tendenzen und kaninchenhafter Volksvermehrung herausgefühlt. Immer deutlicher kommt es in den modernen Schriften zum Ausdruck, daß maßlose Ueberfüllung des Raumes mit Menschenmassen jede Sozialhygiene vor die allerschwersten, kaum lösbaren Aufgaben stellt. Auch die Judenheit beeinflußte das Bevölkerungsproblem in der nachhaltigsten Weise. Bis jetzt ist noch nirgends darauf hingewiesen worden, daß die russische Judenheit, die um das Jahr 1800 V4 Millionen betrug, 1867 1829100 zählte, 1897 nach der Volkszählung 5215000 Menschen ausmachte, obwohl 1,5—2 Millionen in der selben Zeit nach Westeuropa, Amerika und Afrika ausgewandert waren. Wir haben hier also eine Bevölkerungsmasse, die sich in 30 Jahren verdreifacht hat. Die 3/4 Millionen haben sich in rund 37 Jahren auf 7 Millionen vermehrt. Die ungesunden Lebens- und Wirtschaftsverhältnisse des Ostens werden uns jetzt rasch klar. Die Ueberfüllung der Quartiere mit Menschen, die künstlich noch durch die grauenhaften Zwangsmaßnahmen der Zaren, die die Juden in gewisse Zwangs-

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