Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1926) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 4-6
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 46 — Westasiaten, neben zahlreichen Europäern und einigen wenigen Amerikanern zum Judentum übergetreten sind, trotzdem würde es falsch sein anzunehmen, daß ein Durchschnitt durch die jüdische Bevölkerung der Erdoberfläche das gleiche Bild gäbe, wie ein Durchschnitt durch die Menschheit überhaupt. Es erübrigt sich von selber die Frage, ob es eine jüdische Rasse gibt, wenn man von allen heutigen Juden spricht, da oben ja schon gesagt wurde, daß d i e Juden den verschiedensten Rassen angehören, aber es läßt sich immerhin die Frage erörtern, ob es einmal eine Zeit gab, wo die Juden noch ein Volk waren, und wo sich der Volksbegriff mit dem Rassenbegriff, wie ihn die heutigen Ethnologen aufstellen, einigermaßen deckte. Der Verfasser dieses Artikels möchte auch diese Frage veraeinen und behaupten, daß es niemals eine Zeit gegeben hat» wo man von einer jüdischen Rasse sprechen konnte in dem Sinne, wie es heute die Wissenschaft allein als zulässig erklärt. Unter Rasse verstehen wir in der Vererbungswissenschaft eine Summe von Individuen, welche in wohl definierten erblichen Eigentümlichkeiten miteinander übereinstimmen. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, daß Familienverwandtschaft zur Rassenverwandtschaft notwendig sei und es wird deshalb vielleicht notwendig sein, hier in der Einleitung zunächst zu zeigen, daß Rasse und Familie zwei ganz verschiedene Begriffe sind, die sich in keiner Weise decken. Wir verdanken dem Jesuitenpater Gregor Mendel die Aufdeckung von Gesetzen, welche die Spaltung von Bastarden bei der Kreuzung in ein wohlgeordnetes System gebracht haben. Nach den Mendelschen Regeln können nun die allernächsten Verwandten, welche es überhaupt innerhalb der Familie gibt, nämlich selbst Geschwister, theoretisch zwei verschiedenen Rassen angehören, wenn es sich um die Kreuzung zweier Bastarde handelt. Heiraten zwei Mulattenindividuen einander, Bestarde zwischen der weißen und schwarzen Rasse, so ist theoretisch der Fall denkbar, daß bei der Reifeteilung der Geschlechtszellen vor der Befruchtung bei der einen Eizelle alle weißen Bestandteile herausgeworfen werden und fortfallen, da die Mutter in ihrem Chromosomenbestand als Mulattin theoretisch wenigstens genau zur Hälfte weiße und schwarze Chromosome besitzen kann. Das Gleiche gilt für die Beschaffenheit der Samenfäden. Kommt nun bei der Befruchtung nur weißes Sperma zusammen mit einer Eizelle, welche ebenfalls nur noch weiß enthält, unter ihrem Chromosomenbestand, so wäre der Fall denkbar, daß zwei Mulatten ein rein weißes Kind zeugen könnten und ebenso ein rein schwarzes Kind. Allerdings ist dieser Fall rein mathematisch berechnet so unwarscheinlich, daß, so lange es Menschen auf der Erde gibt, in seiner Reinheit dieser Fall nicht eingetreten sein wird. Trotzdem sind Fälle berichtet, wo in Mittelamerika, das ja heute so gut wie ausschließlich von Mulatten, also von Negerweißenmischlingen bewohnt wird, wiederholt Eltern teils schwarze, teils weiße Kinder miteinander erzeugt haben, ja es wird selbst von Zwillingen berichtet, die Mulattenmütter geboren haben, daß das eine Kind blond und blauäugig, der andere Zwilling ein anscheinend vollständiger Neger gewesen sei. In allen diesen Fällen hat es sich aber entgegen der Volksmeinung doch nicht darum gehandelt, daß das blonde und blauäugige Kind ein rein weißrassiges Kind gewesen ist und das ganz schwarz erscheinende Kind ein echter Neger war. Es ist zu unwahrscheinlich, daß dies der Fall gewesen sein