Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1926) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 4-6
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 45 — fangsstadium einsetzt. Die zuletzt genannten Momente dürften aber m.E. allein nicht genügen, um das Phänomen restlos zu erklären, sondern es ist meines Erachtens die Hauptursache des Phänomens in Momenten der Auslese und der erworbenen Immunität zu suchen. Dem Fehlen des Alkoholismus bei den Juden möchte ich in der Frage keine zu große Bedeutung beimessen, weil man auch bei Nichtjuden die überwiegende Mehrzahl der Fälle von Tuberkulose bei Personen vorfindet, deren Widerstandskraft durch den Alkoholismus nicht geschädigt war. Daß Folgezustände von Alkoholismus aber bei den Juden an sich sehr selten sind, kann ich aus der m. W. noch wenig diskutierten Feststellung bestätigen, daß die Leberkirrhose bei den Juden unendlich seltener vorkommt als bei den Nichtjuden und daß auch Alkoholschädigungen des Gehirns bei den Juden nach meinen Krankenhauserfahrungen außerordentlich selten beobachtet werden. Da aber auch meine eigenen Erfahrungen gezeigt haben, (s. die Statistik von Werner) daß die relative Resistenz gegen Tuberkulose bei den Juden nicht so groß ist, daß sie den schädigenden Wirkungen standgehalten hätte, welche aus der Verschlechterung der allgemeinen Lebenslage in den Kriegs- und Nachkriegsjahren resultierten, so trete auch ich trotz der hier gemachten Ausführungen der Forderung bei, daß zur Verhütung und Behandlung der Tuberkulose auch bei den Juden organisatorisch alle die Erfahrungen verwertet werden sollten, die in den letzten Jahrzehnten durch den großzügig angelegten Feldzug gegen die Tuberkulose gemacht worden sind. Auf diesem Wege wird sich nicht nur die Zahl der Erkrankungen noch weiter vermindern, sondern auch die Zahl der Besserungen und Heilungen weiter erhöhen lassen. Zar Anthropologie der Joden. Von Professor Hans Friedenthal, Leiter der Arbeitsstätte für Menschheitskunde an der Universität Berlin. Obgleich wir nicht in allen Punkten des Verfassers Ansicht teilen, glauben wir, die interessanten Ausführungen unseren Lesern nicht vorenthalten zu dürfen. Wir würden es begrüßen, wenn die Darlegungen eine Diskussion auslösten und sind bereit, j passende Zuschriften unsere Spalten zu öffnen. Die Redaktion. Wenn man von einer Anthropologie einer Religionsgemeinschaft spricht, wie es die Juden darstellen, so ist es klar, daß es sich nicht darum handeln kann, eine Rasse zu schildern nach dem üblichen Begriff, wie er in der Ethnologie gebraucht wird, da es klar ist, daß Angehörige der verschiedensten Rassen einer Religionsgemeinschaft angehören können. Wenn man also von einer Anthropologie einer vielrassig gemischten Religionsgemeinschaft, wie es die Juden sind» schreibt, so kann es sich nur darum handeln, festzustellen, wie weit der Begriff „Juden" anthropologisch enger zu fassen ist als der anthropologische Begriff der ganzen Menschheit. Man kann nicht behaupten, daß sämtliche Rassen und Stämme der Erde Beiträge zu der jüdischen Religionsgemeinschaft gegeben haben. Von einem Uebertritt von Buschmännern, Semangs, Uraustraliern, vielen Indianerstämmen, auch Eskimos und den asiatischen Nordvölkern ist v nichts bekannt. Wohl wissen wir, daß zahlreiche Ostasiaten, zahlreiche Afrikaner, zahlreiche Süd- und