Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1926) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 1-3
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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- 83 - usw. nur bei Juden. Demgegenüber sind in P o p p e r' s Material Heredodegenerationen kaum vorhanden, und v. Sarbö hatte unter 16 Fällen von Dystrophien keinen Juden. Ich selbst habe Dystrophien, Friedreich j und Myotonie auch bei Juden gesehen, aber j bei weitem nicht so oft wie bei Nichtjuden, | Myasthenie niemals. —! Der Torsionsspasmus ist in der j überwiegenden Mehrzahl der Fälle, die bisj her bekannt geworden sind, bei Ostjuden gefunden worden. Mehren sich auch in letzter Zeit die Beobachtungen über Erkrankungen von Kindern nichtjüdischer Herkunft (C u r t Rosenthal, Ewald, u. a.: vergl. auch Cassirer's briefliche Mitteilung an den Verf.), so ist doch hier unzweifelhaft ein Leiden vorhanden, das Ostjuden bevorzugt. Die wenigen Fälle, die ich selbst gesehen habe, betrafen ebenfalls polnische Juden. Das gilt in gleichem, vielleicht noch höherem Maße von der Tay-Sachs'sehen amaurotischen Idiotie. Zwar hat v. S t a r c k Fälle dieser Art in einer baltischen Adelsfamilie gesehen, auch Torrance, Martin Cohen u. a. sahen das Leiden bei nichtjüdischen Kindern, und es scheint vor allem, als ob die im späteren Kindes- und im Pubertätsalter auftretende (juvenile) Form nicht an jüdische Provenienz gebunden ist. Aber es steht auch in Bezug auf dieses Leiden fest, daß es bisher in ganz überwiegender Mehrzahl bei Ostjuden vorkommt, auffallenderweise scheinbar besonders bei solchen, die aus ihrer östlichen Heimat ausgewandert sind. — Ueber die Ursache dieser Erkrankung ist bisher Abschließendes nicht bekannt. Es wird aber immer wahrscheinlicher (Bielschowsky, Parhon, Goldstein, Benders, Mott, Mari n e s c o), daß es sich um grobe Störungen des Zellstoffwechsels, in letzter Linie also doch wohl um eine Stoffwechselkrankheit (Mott) handelt. Gordon, Savini u.a. vermuten, wie Schob angibt, einen Zusammenhang mit innersekretorischen Störungen. Damit würde die Erkrankung in enge Beziehung zu den an anderem Orte abgehandelten Stoffwechselkrankheiten und den jetzt hier zu erwähnenden Störungen der Drüsen mit innerer Sekretion treten. Die Basedow'sche Krankheit, das Myxödem u. a. Von anderer Seite wird in dieser Zeitschrift über die Beteiligung der Juden an den Erkrankungen der „Drüsen mit innerer Absonderung" (Schilddrüse, Nebenniere, Hirnanhang, Eierstöcke usw.) berichtet werden. Aber auch der Neurologe muß sich der Vollständigkeit halber in Kürze zu dieser Frage äußern, auch auf die Gefahr hin, das anderwärts Gesagte zu wiederholen oder gar in einen gewissen Widerspruch dazu zu treten. Es genügen aber wenige Worte — und zwar vor allem zur Frage der Erkrankungen der Schilddrüse und der Nebenschilddrüsen —: die Beobachtungen über dieses Thema sind spärlich und, wie wir ja ähnliches schon mehrfach gefunden haben, nicht einheitlich. Nach M. J. Gutmann wird die B a s e - dow'sche Krankheit, bekanntlich eine durch Kropfbildung, Glotzauge, Herzsymptome, Zittern, Schwitzen usw. sich aussprechende Schilddrüsenerkrankung, von einigen Autoren als eine bei Juden häufig vorkommende „Degenerationserscheinung" erklärt, wogegen E p p i n g e r schreibt: „In Wien sehen wir viele Galizianer und können behaupten, daß bei allen polnischen Juden Basedow eine Seltenheit ist". In Metz wurde 1880 für ein Konkurrenzausschreiben das Thema gewählt: „Warum sind Jüdinnen frei von Kropf?" (Gutmann). Ich kann persönlich der in der letzten Frage enthaltenen Behauptung nicht zustim-