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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1926-01-01 · Heft 1-3 · p. Seite 78

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1926) (Neue Folge)
Issue
Heft 1-3
Date
1926-01-01
Page
Seite 78 (sequence 9)
Language
German
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übrigens auffallend viele langlebige Mitglie-! der zählt (worauf als häufiges Zusammentreffen bei der Paralysis agitans K. M e n d e 1 j hingewiesen hat), habe ich 4 Geschwister j mit dieser Krankheit beobachtet; die Eltern; waren nicht blutsverwandt. — Veitstanz ist 1 sowohl nach meiner Erfahrung als auch! nach der von Popper und v. S a r b ö i nicht verbreiteter als unter der übrigen Be-! völkerung, eher etwas weniger. — Ueber den j wahrscheinlich ebenfalls zu dieser Gruppe! gehörenden Torsionsspasmus s. u. | Die epidemische Kinderlähmung (Poliomyelitis) habe ich bei den Juden zwar oft genug gesehen, aber — ebenso wie Marburg — nicht öfters als bei anderen. Endlich sei erwähnt, daß in Bezug auf peripherische Lähmungen die Juden sich nicht anders verhalten als ihre christlichen Mitbürger. Nur die A1 k o h o 1 n e u r i t i s ist bei ihnen entschieden selten, wie alle Alkoholkrankheiten. Nach Bychowsky gehören überhaupt Polyneuritiden (gleichzeitige Entzündung mehrerer Nerven) bei Juden zu den Seltenheiten. Zusammenfassend kann man sagen, daß eine starke Beteiligung der Juden an den organischen Hirn- und Rückenmarkskrankheiten oder ein auffallend anderer Verlauf dieser Leiden nicht nachweisbar ist. Die Frage der Hypophysenerkrankungen (s. o.) ist noch ungeklärt, die der Schüttellähmung bedarf dringend der Nachprüfung; es ist aber möglich, daß hier eine hohe Quote vorhanden ist. Sollte, wie anzunehmen ist, die Ursache dieses Leidens in einer Gefäßerkrankung zu suchen sein, so würde die Frage vielleicht mit der der Gefäßkrankheiten bei den Juden, die an dieser Stelle keine Besprechung findet, zusammenfallen. Die Psychoneurosen. Daß die Psychoneurosen, insbesondere die Neurasthenie und Hysterie, eine Domäne der jüdischen Bevölkerung sind, scheint fast als Dogma angesehen zu werden. Die Ansicht Oppenheim's, Tobte r' s, Ziemssen'su. a. habe ich oben zitiert. Raymond sagt, daß Warschau allein eine unerschöpfliche Quelle für das Krankenmaterial des ganzen Kontinents an männlicher Hysterie liefert. M. J. Gutmann findet die Hysterie bei Juden sehr häufig, besonders auch bei Männern und oft in sehr frühen Jahren. Die Angaben über diesen Punkt lassen sich leicht vermehren. Ich nenne nur E. Mendel, Kräpelin, Lombroso. Demgegenüber macht Binswanger bezüglich der Neurasthenie — und seine Aeußerungen lassen sich mutatis mutandis auch wohl auf die Hysterie übertragen — folgende bemerkenswerte Ausführungen: „Neben den Amerikanern sollen besonders die slavischen Völker den größten Prozentsatz an Neurasthenikern aufweisen. Es beruhen solche Angaben aber weniger auf genauen, umfassenden statistischen Erhebungen als auf den persönlichen und demgemäß enger begrenzten Erfahrungen einzelner Beobachter. Durchmustern wir ferner die einschlägige französische und deutsche Literatur, so finden wir übereinstimmend der Tatsache Erwähnung getan, daß innerhalb der europäischen Kulturvölker die jüdischen Einwohner verhältnismäßig das größte Kontingent der Neurastheniker stellen.- Man wird es aber auch hier nicht mit einer Rasseneigentümlichkeit zu tun haben, sondern die Tatsache aus anderen Ursachen erklären müssen. Als solche sind hervorzuheben: das Mißverhältnis zwischen körperlicher Entwicklung resp. Uebung und rastloser geistiger Arbeit, die fast unvermittelte Umwand-

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