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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1926-01-01 · Heft 1-3 · p. Seite 77

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1926) (Neue Folge)
Issue
Heft 1-3
Date
1926-01-01
Page
Seite 77 (sequence 8)
Language
German
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— 77 - recht selten sind, wenn ich auch, eine stattliche Anzahl solcher Patienten kenne. Jedenfalls kann von einer stärkeren Beteiligung der Juden m. E. nicht die Rede sein. Bei jüdischen Frauen sah ich Tabes nur ganz vereinzelt, darunter eine sehr langsam verlaufende „hereditäre". Hirnwassersucht (Hydrocephalus) und Little'sehe Krankheit (doppelseitige Hirnlähmung, angeboren, hauptsächlich infolge übermäßiger Dauer des Geburtsaktes) habe ich bei Juden wiederholt gesehen, Little vielleicht sogar ein wenig häufiger bei Juden als bei Nichtjuden. Klozenb e r g glaubt, daß Little bei Juden nicht öfters vorkommt, als bei anderen; Marburg hält beide Krankheiten bei Juden für große Seltenheiten. Andere Aeußerungen darüber finde ich nicht. Multiple Sklerose (ein im wesentlichen chronisch und in Schüben und Schwankungen verlaufendes, vielgestaltiges, in seiner Pathogenese noch nicht aufgeklärtes Leiden des Hirns und des Rückenmarks) ist nach Marburg und Popper sicher nicht häufiger als bei Nichtjuden, nach v. S a r b ö sogar seltener (15 % bei 23 % Bevölkerungsquote). Ich selbst möchte meinen, daß sie bei Juden jedenfalls nicht häufiger und vor allem nicht anders auftritt als bei Christen. Schlaganfälle mit folgender halbseitiger Lähmung (Hemiglegie) sah v. Sarbö in 21 % (bei 23 % Bevölkerungsquote), Hirngeschwülste (Tumoren) bei 13 %, wogegen sowohl Bychowsky als auch Marburg betonen, daß im allgemeinen Tumoren bei Juden häufiger vorkommen, ganz besonders aber die der H y p o p h y s e (des Hirnanhanges). Ich möchte glauben — wie übrigens auch Bychowsky andeutet —, daß hier äußere Momente, wie exaktere Untersuchung, frühzeitige Diagnosenstellung usw. mitspielen, um in diesem Punkte eine größere Beteiligung der Juden vorzutäuschen. Aus meiner eigenen Praxis kann ich nur sagen, daß ich erheblich mehr Geschwülste, auch solche der Hypophyse, bei Nichtjuden gesehen habe. Daß v. Sarbö unter 12 Fällen von Rückenmarksgeschwülsten 5, also einen recht hohen Prozentsatz, bei Juden fand, will ich nur nebenbei erwähnen: das Material ist für statistische Verwertung zu klein. Eine besondere Erwähnung verdienen die Erkrankungen des extrapyramidalen Systems. Das ist eine Gruppe von lange bekannten, aber bisher in ihrer Pathogenese zum Teil noch unklaren Krankheiten, die gerade in den letzten Jahren eifrig erforscht worden sind und auf Veränderungen in tieferen Hirnbezirken, vor allem im , Streifenhügel, zurückgeführt werden. Für unser Thema kommen von diesen Leiden in Betracht: die epidemische Gehirnentzündung (Encephalitis), die Schüttellähmung (Paralysis agitans) und der Veitstanz (Chorea). Marburg und Popper, denen ich mich anschließe, finden die Encephalitis nicht häufiger bei Juden, v. Sarbö sogar etwas seltener (19% bei 23 %iger Judenquote). Daß sie Bychowsky bei einer vorwiegend jüdischen Klientel sehr häufig sieht, spielt demgegenüber kaum eine Rolle. Die Schüttellähmung sah Minor bei Juden dreimal so häufig wie bei Christen, Krafft-Ebing noch häufiger: 32 % seiner Fälle waren Juden bei 4 % Bevölkerungsquote. Bychowsky hält sie für entschieden häufiger. Dagegen kommt sie nach Marburg nicht öfters vor als bei Nichtjuden. Ich persönlich habe den Eindruck, daß unter meinem Material sich recht viele Juden befinden, möchte aber kein bestimmtes Urteil abgeben. In einer mir verwandtschaftlich nahestehenden Familie, die

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